In der Kategorie der bedeutendsten Filmschaffenden in der Horror- und Monstersparte gibt es jemanden, der einen ganz eigenen "physischen" Stil geprägt hat, wie kein anderer zuvor oder danach. Die Rede ist von dem Kanadier David Cronenberg.

 

Mit Cronenberg kam ich (zumindest für meine Verhältnisse) erst relativ spät in Berührung, nämlich als ich mit ca. 15 Jahren zum ersten mal den telepathisch-telekinetischen Thriller SCANNERS in den Toplader meiner Eltern drückte. Natürlich fand ich den legendären "Kopfplatzer" genauso phänomenal und beeindruckend wie das schmelzige Schlussduell zwischen den Charakteren Cameron Vale und Darryl Revok, doch empfand ich schon seit je her eine recht gehörige Portion Sympathie für freakige Aussenseiter-Rollen - für die Verlachten, Verstoßenen und Vergessenen. Das war für mich der eigentliche Stimulus und auch im Kern das Faszinierende an dieser Geschichte.

 

Auch wenn Cronenberg selbst nicht auf diese Bezeichnung abfährt, so ist er dennoch Mitbegründer des sogenannten "Body-Horrors". Ein Subgenre, welches sich vorrangig mit dem Kontrollverlust des menschlichen Fleisches befasst. Seine, oftmals nicht nur körperlich, sondern auch psychisch desorientierten Hauptprotagonisten, müssen sich in der Regel mit Verfall, Krankheit, Mutation oder ähnlichen Unzulänglichkeiten herumplagen. Nicht selten endet es bei Cronenberg tragisch, traurig oder faustisch. Cronenbergs Welten sind unangenehm, metaphorisch und dennoch, oder gerade deswegen so reizvoll.

 

Mit Erscheinen des bedrückenden Dramas SPIDER scheint seine Body-Phase im Jahre 2002 schlussendlich ein Ende gefunden zu haben. Seither konzentriert sich Cronenberg mit Vorliebe auf Geschichten, in denen wir vermeintlich ausweglosen Situationen beiwohnen - Filme, bei denen sich der Schraubstock der Gewalt gnadenlos weiter Richtung Tod und Verderben dreht. So oder so ist ein "Cronenberg" in der Regel immer eine faszinierende ernsthafte, anspruchsvolle und außergewöhnliche Film-Erfahrung.