In einer Zeit, als man noch ehrwürdig die marmorgefliesten Kassenräume eines Kinos betrat, um die goldfarbig lackierten Rahmen der Plakat-Schaukästen mit dem weinrot-seidenbespannten Styropor zu begutachten, war es einst um mich geschehen. An vielen Glasscheiben dieser Art drückte ich mir in den 70ern und 80ern die Nase platt. Poster und Szenenfotos von "Zwei wie Pech und Schwefel", "Die Insel des Dr. Moreau", oder "Herbie - groß in Fahrt" gab es zu bewundern. Doch was ich im Sommer 1979 erblickte, ließ mich vor Ehrfurcht erstarren. Ich erspähte das Plakat von "Zombie" der Regielegende 

 

George A. Romero

 

Lebende Tote, die mit aschfahlen Gesichtern nach den Lebenden grapschten, um sie zu verspeisen…wie geil war das denn bitteschön? Alleine schon die Grundidee, die man, wie sich allerdings erst sehr viel später für mich erschloss, in einen gesellschaftskritischen Kontext bringen konnte, war schlichtweg genial! Sprüche wie „Der größte Kulturschocker aller Zeiten“, oder „Der bedrückendste Abstieg in die Hölle, der je das Licht der Leinwand erblickt hat“ suggerierten grauenerregendes Neuland für mich.

 

Gerne hätte ich diese Entdeckung schon auf dem Grundschulpausenhof zum Thema gemacht, doch es gab niemanden, mit dem ich darüber hätte reden können. Und so lauschte ich später gespannt den Gesprächen der Erwachsenen, die diesen Film gesehen hatten und wie sie darüber berichteten, dass die Zuschauer in Scharen mit Hand vor dem Mund und zum Übergeben bereit die Kinosäle verließen. (Anm.: der vom Verleih NEUE CONSTANTIN FILM in die deutschen Kinos gebrachte ZOMBIE war ein sogenannter "Sleeper", also ein Film, der anfangs vorzugsweise in kleinen Kinos, aber dafür ungewöhnlich lange lief und so letztlich dann auch zur Auszeichnung der "Goldenen Leinwand" für über 3 Mio. Kinobesucher gekommen ist).

 

Es war also reizvoll und unter allen Umständen verboten, sich diesen Film als Kind anzuschauen. Großartig!

 

Erst viele Jahre später kam ich bei meiner Tante in den Genuss, dieses Meisterwerk auf VHS zu sichten. Dieser Moment war für mich der ultimative Urknall meiner späteren Horrorfilm-Affinität. 

 

Dafür werde ich Romero ewig dankbar sein. Und auch dafür, dass kurze Zeit später Fulci und Konsorten mit der gleichen Thematik in die Bahnhofskinos einfielen und auf Video jeder noch so blöde Furzfilm das Wort „Zombie…“ auf das Cover geklatscht bekam. Das war eine wunderbare Zeit!

 

In den Zeiten, in denen die Untoten mittlerweile in Serie gehen, mag dieser Umstand für Einige unvorstellbar sein, doch für mich ist „Zombie“ DER HORRORFILM schlechthin! Und auch, wenn ich mit meiner Meinung evtl. bei einigen Lesern anecken werde: es geht nichts über den straffen und ultraspannenden Argento-Cut, mit der nervenzerrenden Goblin-Mucke. Auch der Romero-Cut stinkt dagegen schon ziemlich ab und die selbstgeklöppelten Versionen des „Final Cut“, „Ultimate Cut“, oder wie sie alles heißen mögen, sind für mich persönlich eh eine filmtechnische No-Go-Area!

 

Romero schuf mit seiner ursprünglichen Untoten-Trilogie gleich drei echte Meilensteine der Filmgeschichte. Auch bin ich persönlich ein riesiger Fan seiner großartigen DC-Horror-Comic-Hommage "Creepshow", die im Jahre 1982 in Zusammenarbeit mit dem legendären Autor Stephen King entstand.