Seit Beginn des 21.Jahrhunderts stößt man immer wieder auf einen Namen, der die gesamte Filmbranche, oder zumindest hier im speziellen an dieser Stelle die Horrorsparte, gehörig durcheinander wirbelt. Und wirklich allerspätestens nach Sichtung seines Nägerlbeissers "Insidious" war mir schlussendlich klar, dass wir es hier mit einem hochgradig talentierten Ausnahmeregisseur zu tun haben. Die Rede ist natürlich von 

 

James Wan

 

Es begab sich im Jahre 2010, als ich mich an einem tatsächlich stürmischen und regnerischen Abend von der schrecklichen Magie Wans anstecken ließ. Es war still im Haus, dicke Tropfen pochten an mein Wohnzimmerfenster, Kerzen beleuchteten die Ecken meines TV-Sideboards und verwandelten ihn stimmungsvoll in einen Altar des Schreckens. Es waren die besten Voraussetzungen für ein paar furchtbare Stunden, die mich wirklich voll und ganz in ihren Bann zogen. Da gab es kein "ich mach mal kurz auf PAUSE", da war kein Smartphonegedaddel angesagt. Da gab es nur den 50-Zoller, meine Soundbar und mich. Und ich muss gestehen, dass ich mich seit vielen vielen Jahren nicht mehr so hart gegruselt habe, wie bei "Insidious". Das ein oder andere mal erwischte ich mich sogar dabei, meine Augen ein Stück weit von der Mattscheibe abzuwenden, natürlich mit der zeitgleichen gedanklichen Ermahnung an mein verschrecktes Unterbewusstsein, mich gefälligst am Riemen zu reißen.

 

Wan erfindet das "Folter-Rad" natürlich nicht neu, aber er verschmelzt seine grandiosen Ideen, hervorragenden Settings, die exzellente Kameraarbeit, seine superben Darsteller und großartigen Scores zu einem köstlichen Potpourri der guten Laune. 

 

 Ähnlich wie bei Spielberg schon angemerkt, ist ebenso Wan in der Lage, seine Genrebeiträge auch in anderen Gefilden in perfekter Art und Weise an dem Mann zu bringen. Ob es nun geschmacklich persönlich passt oder nicht, so darf man doch gerne unumwunden zugeben, dass seine Horror-Thriller wie "Saw", Rache-Dramen wie "Death Sentence", Comic-Verfilmungen wie "Aquaman" oder auch reine Popcorn-Actioner wie "Fast & Furious 7" innerhalb ihrer Sparten absolute Granaten sind.

 

Außerdem möchte ich noch zu bedenken geben, dass es Wan geschafft hat, seine zum Teil drehbuchtechnisch selbst erdachten Monster- und Horror Beiträge, sogar nicht nur publikumswirksam erfolgreich in ordentlichen Fortsetzungen, sondern darüber hinaus auch noch in eigene Franchises auszubauen. Die grauenerregenden Figuren aus "Conjuring" erfuhren mit "The Nun" oder "Annabelle" solide Eigenwerke. Und wo so manche Regie-Größe der Branche evtl. ein oder zwei Kultfiguren auf die Leinwand zauberte, so kann Wan mit "Jigsaw", dem "Krummen Mann", "Bathsheba", den zuvor genannten Figuren aus der Nonnen- und Puppenfraktion, so wie dem roten Teufel aus "Insidious" gleich direkt mal ein halbes Dutzend davon auffahren. 

 

Seine wirklich (!) Angst verursachenden Filme sind ganz großes Kino mit klassischen, aber sehr effektvollen, präzisen und teils subtilen Gänsehautmomenten, die es darüber hinaus erfrischenderweise gar nicht nötig haben, in Blut und Gedärmen zu waten. Ich persönlich stelle ihn bereits jetzt in eine Reihe gemeinsam mit unvergesslichen Regie-Legenden wie George Romero oder Wes Craven.