In Sachen Horrorfilm hat es kein anderer Regissuer geschafft, mich nachhaltig über so viele Jahrzehnte in den Bann zu ziehen wie der Independent-Gott

 

John Carpenter

 

Carpenter hat es wie kein anderer bei mir immer wieder geschafft, dieses wohlige "Midnight-Movie-Feeling" aufkommen zu lassen. Ich fand ihn größtenteils am besten zu der Zeit, als er mit wenig Geld und tollen Ideen relativ unabhängig im (Halb)-Independent-Bereich gearbeitet hat.

 

Der Meister des sogenannten „Trap-Scenarios“, bei der eine Gruppe Menschen unfreiwillig in eine schier ausweglose Belagerungs-Situation gerät („Das Ding“, "The Fog", „Fürsten der Dunkelheit“, „Assault – Anschlag bei Nacht“) schafft es durch seine stimmungsvolle Inszenierung, jenseits von Wackelkamera und Schnittstakkato und durch den in der Regel eigens erdachten Score für seine Filme, eine unnachahmliche audiovisuelle Komposition auf die Leinwand zu zaubern.

 

Die Kurve meiner Lieblingsfilme von ihm erreicht mit "Die Klapperschlange" Anfang der 80er ihren Zenit. Dies ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass ich mich damals heimlich aus „In tödlicher Mission“ herausschlich und mich in das Nebenkino schummelte, in dem zufällig dieses beeindruckende Meisterwerk lief.

 

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich persönlich Snake Plissken auch für den phantastischsten Charakter der Filmgeschichte halte: eine tolle Aura umgibt diesen Typen, mit einer wunderbaren „Anarcho-Attitüde“, ohne pseudocoole Sprüche und kongenial von Kurt Russell verkörpert. Diesen (nebenbei bemerkt ganz hervorragend synchronisierten) Film habe ich tatsächlich noch öfter gesehen als die „Rocky Horror Picture Show“ und kann ihn wirklich von Anfang bis Ende mitsprechen. Auch beschleicht mich beim Sichten von „Das Ding“ (der übrigens beim Kinostart 1982 neben "E.T." gnadenlos an der US-Kinokasse floppte und bis heute zu meinen Top-3-Monsterfilmen zählt) grundsätzlich das Gefühl, als würde man Russell hier in der Rolle des MacReady als Plissken ohne Augenklappe wiedererkennen.

 

Mit "Das Ding", "The Fog", "Sie leben!", "Halloween", "Die Mächte des Wahnsinns" oder "Fürsten der Dunkelheit" schuf Carpenter echte Monsterfilmklassiker, oft sehr intelligent und als Spiegel der Gesellschaft zum Teil sogar weit seiner Zeit voraus.