Der am 18.Juli in Amsterdam geborene niederländische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Paul Verhoeven gehört zu den letzten großen fleischgewordenen Wagnissen Hollywoods.

 

Während er Anfang der 60er Jahre in Leiden Mathematik und Physik studierte, entstanden bereits erste Kurzfilme aus seiner Feder.

 

Nach seinem Militärdienst lernte er seine Landsleute Rutger Hauer und Regisseur und Kameramann Jan de Bont (SPEED, CUJO, STIRB LANGSAM, BLACK RAIN, LETHAL WEAPON 2, BASIC INSTINCT, u.a.) kennen, mit denen er zu dieser Zeit einige male erfolgreich zusammenarbeitete und - damals noch in seinem Heimatland - beachtliche internationale Erfolge feiern konnte. TÜRKISCHE FRÜCHTE, DER SOLDAT VON ORANIEN oder auch FLESH & BLOOD sind Titel, bei denen jeder halbwegs ambitionierte Cineast mit der Zunge schnalzt. 

 

Seit Mitte der 70er Jahre hatte Verhoeven bereits mehrfach mit dem deutschen Kameramann Jost Vacano zusammengearbeitet, den er nach seiner Auswanderung in die USA in Hollywood wiedertraf und mit dem er gemeinsam den Sci-Fi-Action-Thriller ROBOCOP inszenierte. 

 

Binnen 10 Jahren schuf Verhoeven eine Reihe provokanter, zynischer, comichaft-überspitzter Genre-Perlen, die heutzutage als echte Klassiker abgefeiert werden und mit denen er sich bei der US-amerikanischen Zensurbehörde MPAA wahrlich keine Freunde gemacht hat. Sowohl in der Monster-, Sci-Fi- und Fantasysparte (ROBOCOP, TOTAL RECALL, STARSHIP TROOPERS), als auch in der schmuddeligen frivol-pseudoskandalösen Ecke der dampfenden Sex und Crime-Stories (BASIC INSTINCT, SHOWGIRLS) war er anzutreffen, stets bereit den Moralisten dieser Welt seinen Anarcho-Stinkefinger vor die schamrote Rübe zu halten.

 

Ich habe Verhoeven natürlich auch immer als Provokateur wahrgenommen, allerdings bin ich davon überzeugt, dass er im immensen Maße und von vielen Leuten missverstanden wird. Er ist ein Spitzbube, ein Satiriker, der kaum wie ein Anderer in der Lage ist, abwechselnd Salz und Zucker in die Wunden der Zuschauer zu streuen - abgesehen davon ist er ein meisterlicher Regisseur mit einem beachtlichen Gefühl für Timing und Set-Design.

 

Nach HOLLOW MAN kehrte Verhoeven, der sich in seiner Kreativität von den Studiobossen immer mehr eingeschränkt sah, im Jahre 2005 Hollywood den Rücken und ging nach Europa zurück. Dort drehte er sowohl BLACK BOOK mit Carice van Houten und Sebastian Koch in den Hauptrollen, als auch ELLE, einen Thriller mit Isabelle Huppert.

 

2017 leitete der zweifache Vater als erster niederländischer Jury-Präsident die Wettbewerbsjury der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

 

Der Traum eines jeden Filmfans wäre es ganz gewiss, wenn der kultige „Drei-Käse-Hoch“ noch einmal actiontechnisch freidrehen würde. Doch bevor dies passiert, wird wohl eher Holland als 17. deutsches Bundesland ausgerufen.