Die 5-Minuten-Terrine – Ein Kurzinterview mit A. Michael Baldwin

 

Schon als Kind stand der 1963 in Kalifornien geborene Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent A. Michael Baldwin in Hollywood vor der Kamera. Nach ersten Gehversuchen in der weltweit beliebten und bekannten TV-Serie „Starsky & Hutch“, arbeitete er 1976 erstmalig mit dem Regie-Ausnahmetalent Don Coscarelli zusammen.

 

Mit ihm gemeinsam realisierte er zunächst die pfiffige Teenie-Komödie „Kenny & Company“, um daraufhin in seine Stammriege aufgenommen zu werden und einige Jahre später mit der kultigen Phantasm-Reihe das Horrorgenre auf den Kopf zu stellen. Bis auf den zweiten Teil war er bis zum Abschluss der Geschichte rund um den unheimlichen TALL MAN im Jahre 2016 hier mit an Bord.

 

Der Umstand seiner Abwesenheit in der direkten Fortsetzung lag zum einen darin begründet, dass sich Baldwin zu der Zeit der Produktion von "Phantasm 2" aus dem Film-Business zurückgezogen hatte und zum anderen daran, dass die Produzenten die Rolle des Mike schlichtweg von einem anderen Schauspieler besetzt haben wollten. 

 

An einem März-Sonntag 2019 führten wir dieses sehr sympathische Interview mit ihm und wollen es euch natürlich auch nicht vorenthalten:

 

 

MMM: Hallo Michael. Danke, dass Du dir heute ein wenig Zeit für uns genommen hast. Was macht man denn so sonntags mittags typischerweise in Austin, Texas?

 

MB: Es hört sich vielleicht ein bisschen an wie ein Klischee, aber ich arbeite an diesem Sonntag gerade an meinem Gartenzaun. Nicht gerade sehr spannend, was?

 

MMM: Ich habe hier ein paar Fragen für dich und werde im Anschluss an dieses Gespräch alles für deine deutschen Fans übersetzen und auf unsere Homepage stellen. Wie klingt das?

 

MB: Ja, sehr gerne. Das hört sich gut an.

 

MMM: Die erste Frage wäre: kannst du dich an deinen allerersten Kinobesuch erinnern und uns ein wenig davon erzählen?

 

MB: Wow, das ist eine Frage, die mir wirklich gut gefällt. Weißt du, hin und wieder gebe ich hier und da mal ein Interview, aber die Fragen sind meistens nicht besonders gut. Zunächst also vielen Dank für diesen guten Einstieg in unser Gespräch.

 

MMM: Na ja, wir sind ja noch nicht fertig - hahaha.

 

MB: Auf jeden Fall mag ich die Frage und werde nicht nur davon erzählen, welcher mein allererster Kinofilm war, sondern auch von meinem zweiten Erlebnis dieser Art berichten. Zunächst schaute ich einen Film mit Sean Connery, der zu einer Zeit entstanden ist, als er noch nicht die Rolle des James Bond innehatte. Der Film hieß „Darby O’Gill and the Little People“ (Anm.: deutscher Titel: „Das Geheimnis der verwunschenen Höhle“). Das war ein Film im Stile Disneys mit Kobolden und so. Kennt irgendwie kein Mensch und war auch nicht unbedingt der Hit für mich. 

Der zweite Film hat mich jedoch seiner Zeit umso mehr beeindruckt. Es war der George Lucas Klassiker „THX 1138“. Ich weiß wirklich nicht, warum meine Mutter mit mir ausgerechnet in diesen Film gegangen ist. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade vielleicht mal sechs oder sieben Jahre alt, aber ich kann euch sagen: diese tollen Bilder, die ich dort zu sehen bekam, habe ich nie vergessen, und ich finde auch, dass an ihm nicht großartig der Zahn der Zeit genagt hat. Ich halte ihn auch heute noch für sehr sehenswert.

 

MMM: Ich habe mal gelesen, dass du nicht unbedingt der allergrößte Horrorfan bist. Stimmt das?

 

MB: Na ja, sagen wir mal so: Horror ist nicht gerade meine erste Wahl, wenn ich mir eine Kinokarte löse. Allerdings muss ich sagen, ich habe letztens „Hereditary“ gesehen, und der war echt sehr gut. Er war nicht nur ungewöhnlich, er wirkte auf mich auch noch lange nach, und er hatte eine wirklich unheimliche und gruselige Atmosphäre.

 

MMM: Ich bin der Meinung dass es sehr schwierig ist, etwas wirklich Innovatives im Horror-Bereich zu bieten. Einer der wenigen Regisseure, der frischen Wind in das Genre gebracht hat und der zudem noch ein ungewöhnlicher Geschichtenerzähler ist, ist Don Coscarelli. Ich liebe seine Filme und ich habe bei ihm das Gefühl, dass er nur das macht, wozu er auch wirklich Lust hat. Kannst du uns bitte erzählen, wo du Don das erste Mal getroffen hast?

 

MB: Ich traf ihn zum ersten Mal bei einem großen Casting, wo hunderte von Kids für die Rollen zu seinem Film „Kenny & Company“ vorsprachen. Ich konnte ihn und seinen Produzenten Paul Pepperman überzeugen und bekam daraufhin meinen ersten Part in einem abendfüllenden Spielfilm.

 

MMM: Bist du dort auch zum ersten Mal auf Reggie Bannister getroffen?

 

MB: Ja, so war es. Reggie spielt in dem Film einen Lehrer. Es war meine erste Zusammenarbeit mit Don und ihm. Ein wirklich lohnenswerter Film, der wunderbar das Flair der 70-er einfängt. Falls du ihn nicht kennst, solltest du mal einen Blick riskieren. Ich bin sicher, er würde dir gefallen.

 

MMM: Ich habe auch gehört, dass der Film beispielsweise in Japan ein riesen Erfolg war. Ihr wart damals für den Streifen u.a. in Japan auf Promo-Tour und wurdet dort abgefeiert wie Rockstars. Kommt das ungefähr hin?

 

MB: Ja, so war es wirklich. Als wir in Tokio angekommen sind, hatte die Produktionsfirma dort schon reichlich die Werbetrommel für den Film gerührt. Wir waren alle noch ziemlich jung. Don beispielsweise war gerade mal 22 Jahre alt. Wir tourten durch das ganze Land und hatten eine großartige Zeit.

 

MMM: Vor 3 Jahren verstarb der großartige Angus Scrimm. Ein schmerzlicher Verlust, nicht nur für seine Fans. Kannst du uns etwas über ihn erzählen? Wie war er so? Was war er für ein Typ?

 

MB: Also, wenn man eines mit Fug und Recht über ihn sagen kann, dann dass er ein wirklicher Gentleman war. Er war ein stiller und sehr netter Mensch, mit viel Sinn für Humor. Ich traf ihn das erste Mal am Set von „Kenny & Company“. Wir hatten dort zwar keine großen Berührungspunkte, aber danach arbeiteten wir ja bekanntermaßen einige Male miteinander. Es war stets sehr angenehm mit ihm und er war ein guter Freund für mich. Ich vermisse ihn jeden Tag.

 

MMM: In den 80-er Jahren hattest du deine Filmkarriere eine Zeit lang an den Nagel gehängt und dich auf eine „spirituelle Reise“ begeben. Wie genau ist das zu verstehen, und wie ist es dazu gekommen?

 

MB: Nun, das ist eine lange Geschichte. Aber im Kern ging es darum, dass ich als Schauspieler tätig war, seit dem ich neun Jahre alt war. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich zu mir selbst finden wollte und vieles infrage stellte. Und so bereiste ich die Welt und blieb u.a. einige Jahre in Indien. Ich war in meinen Jahren als Twen quasi nur unterwegs. Mit ca. 30 bin ich dann zur Schauspielerei zurückgekehrt.

 

 

MMM: Du bist nicht nur Schauspieler, sondern auch Schauspiellehrer und Musiker, und du spielst einige Instrumente.

 

MB: Korrekt. Ich spiele Gitarre seit meinen High School-Zeiten, also seit rund 40 Jahren. Hier und da setze ich mich auch gerne einmal an andere Instrumente. Ich lerne in der Regel recht schnell mit Ihnen umzugehen. Und ihr müsst wissen, dass uns natürlich die Kunst an sich irgendwie allen im Blut liegt. Meine gesamte Familie kommt aus der Entertainmentbranche. Mein Vater war Produzent und Regisseur und arbeitete in der Trickfilm-Sparte; genauso wie meine Mutter, die später dann auch Autorin war. Meine Schwester war Sängerin und gab Gesangsunterricht und auch meine Tochter singt.

 

MMM: Dann bist du doch dafür prädestiniert, uns jetzt einmal ein paar Geheimtipps zu geben und uns zu sagen, welche Sängerin, welchen Sänger oder welche Band es unbedingt noch zu entdecken gilt.

 

MB: Also zunächst einmal bin ich ein riesiger Fan der Beatles. Das ist und bleibt für mich die größte Rockband aller Zeiten. Darüber braucht man ja wohl überhaupt nicht zu diskutieren. Ansonsten bin ich musikalisch sehr offen für alles. Z. B. mag ich Jazz unheimlich gerne. Ich liebe Frank Sinatra und Tony Bennett, aber der größte Sänger aller Zeiten ist für mich Eddie Jefferson. Viele Leute kennen ihn nicht, aber für mich ist er der Allerbeste. Ansonsten höre ich auch sehr gerne mal „Radiohead“, oder eine Band hier aus Texas namens „South by Southwest“.

 

MMM: Im Jahre 1997 schriebst du das Drehbuch zu dem Action-Drama „Vice Girls“, für den du auch als Produzent tätig warst. Könntest du dir vorstellen, auch einmal als Regisseur tätig zu werden, um dein Wunschprojekt zu realisieren?

 

MB: Nun, einige Kurzfilme habe ich ja schon gedreht und auch Musik-Videos. Und ich schreibe sehr viel. Wenn es ein abendfüllender Spielfilm sein soll, dann würde ich ein Biopic über Eddie Jefferson machen. Don Cheadle soll dann die Hauptrolle übernehmen und du mein Freund, du wirst der Produzent!

 

MMM: Hahaha, ja genau so machen wir es. Kommen wir nun zur letzten Frage. Zu der Frage, nach deinen zukünftigen Projekten. 

 

MB: Ach, da gibt es so Einiges. Ich bin Familienvater und bin gerade dabei, vier Kinder groß zu ziehen. Ich produziere, ich schreibe viel und habe vor einigen Jahren ein Kinderbuch mit dem Titel „Love always wins“ herausgebracht. Darüber hinaus kommt bald ein neuer Horror-Film namens „Flay“ mit mir auf den Markt. Da geht es um so eine Art „Slenderman“, der eine Reihe von Teenagern zu Tode bringt.

 

MMM: Dann wollen wir nur hoffen, dass „Flay“ besser ist, als „Slenderman“ – hahaha.

 

MB: Tja, das kann ich euch nicht versprechen. Das Einzige, was ich euch definitiv zusichern kann, ist die Tatsache, dass ich dort mitspielen werde. 


MMM: Das ist doch schon mal die beste Voraussetzung - hahaha. Wir freuen uns sehr darauf. Lieber Michael, wir sind am Ende unseres Gespräches angekommen. Ganz herzlichen Dank nochmal für alles.

 

MB: Es war mir ein Vergnügen. Hoffentlich sieht man sich mal – sehr gerne auch in Deutschland.

 

Interview © 2019