Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Andrew Divoff

 

Der in Venezuela geborene Schauspieler und Stuntman Andrew Divoff begann seine Karriere Mitte der 80-er Jahre mit der Independent-Monstergranate "Neon Maniacs" und einem Auftritt in der Serie "The A-Team".

Schnell folgten weitere Rollen Seite an Seite mit Sean Connery, Eddie Murphy und Harrison Ford (Jagd auf Roter Oktober, Und wieder 48 Stunden, Air Force One, ...).

Mit der Darstellung des Djinn in den ersten beiden Wishmaster-Filmen schuf Divoff eine Kultfigur, die sich bis heute fest in die Herzen der Monsterfilmfans eingebrannt hat. Umso schöner, dass er nun auch mal einen Wunsch für "Mumien, Monster, Mutationen" erfüllt: Wir durften ihm ein paar Fragen für unsere Fanseite stellen.

 

 

MMM: Mr. Divoff, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Sie haben uns Fans viele schöne Momente im Kino geschenkt, aber wie war das eigentlich bei Ihnen, als sie zum ersten mal einen Kinosaal betreten haben? Können Sie sich daran erinnern?

 

AD: Ich sah "Jason und die Argonauten". Ich war 8 Jahre alt und es war in in Caracas, Venezuela. Meine Mutter, meine zwei Schwestern und ich fuhren in ein Drive-In-Theater mit Mamas Cabrio. Ich lümmelte mich auf dem Boden zwischen den Vorder- und Rücksitzen, war nahezu komplett unter einer Decke versteckt und meine Schwestern lagen hinter mir und legten Ihre Beine und Füße auf meinem Rücken und Hintern ab. Das waren harte Zeiten für eine alleinerziehende Mutter und die Kosten für eine Eintrittskarte zu sparen bedeutete, dass wir öfter ins Kino gehen konnten. Ich war total erstaunt über die Magie, die ich in dieser Nacht sah, einen riesigen, mutierten Bronze-Krieger und eine Armee von Skeletten, die jedes Mal mehr Skelette hervorbrachten, wenn Jason sie mit seinem Gladius zerschmetterte. Das hat meine Kinoleidenschaft entzündet!


MMM: Wie sind Sie eigentlich zum Film gekommen? War es von Anfang an Ihr Traumjob?


AD: Meine Filmhelden waren die Schauspieler - meist Cowboy-Darsteller - die ihre eigenen Stunts machten. Zu dieser Zeit (während meiner Schulzeit in Nordkalifornien) hätte ich meinen Freunden wohl erzählt, dass ich entweder ein Spion wie James Bond oder ein Film-Stuntman sein möchte. Bei den Highschool-Partys die wir veranstalteten, wenn wir mal sturmfreie Bude hatten, war eine meiner Lieblingsaufführungen, Trunkenheit vorzutäuschen, die Treppe hinunter zu rollen, unten wieder direkt auf meine Füße zu springen und so zu tun, als wäre nichts geschehen. Erst später, während meiner Zeit in Südkalifornien, fing ich ernsthaft an, sogenannte "Cold-Reading-Kurse" zu besuchen und zu diversen Vorsprechen zu gehen. Und ja, auch in den brotlosen Zeiten: es ist und war immer mein Traumberuf.

 

MMM: Sie spielten den Djinn in den ersten beiden Wishmaster-Filmen. Haben Sie schon in den 90-er Jahren (als Sie dieses Monster gespielt haben) erkannt, dass Sie mit dieser Figur in die Horrorfilmgeschichte eingehen würden, und haben Sie ein persönliches Lieblingsfilmmonster, unabhängig vom Djinn?

 

AD: Das ist eine sehr schmeichelhafte Prämisse. Ich kann mich immer noch schwer damit anfreunden und bin skeptisch, mich als Teil der Horrorfilmgeschichte zu betrachten. Vielleicht werde ich mich eines Tages irgendwann einmal mit diesem Gedanken anfreunden. Weiterhin bin ich natürlich sehr glücklich und dankbar, dass mir auch Monster-Legenden wie Robert Englund, Tony Todd und Kane Hodder bei "WISHMASTER" zur Seite standen. 

 

Ansonsten ist zweifelsfrei mein Lieblingsfilmmonster Boris Karloffs "Frankenstein", gefolgt von Lon Chaneys "Der Wolfsmensch".

 

 

MMM: Sie haben eine Vielzahl großartiger Rollen gespielt und arbeiteten dabei zum Beispiel mit Nick Nolte, Louis Gossett Jr., Scott Glenn oder Jeffrey Combs zusammen. Haben Sie ein persönliches Lieblingsfilmprojekt aus Ihrem Repertoire? Und wenn ja, warum?

 

AD: Ich habe zwei Favoriten, jeder aus seinem eigenen Grund. Ich werde sie in chronologischer Reihenfolge präsentieren: zuerst war dies "Und wieder 48 Stunden". Ich hängte einfach ein Foto von mir vor Walter Hills Büro bei Paramount auf, weil er und mein Agent telefonisch einfach nicht zusammenkamen. Mein "Look" auf dem Bild durfte Walter Hill bekannt vorgekommen sein, denn er war an dem der Protagonisten von seinem zuvor entstandenen "Straßen in Flammen" angelehnt. Es war nur halt so: mein damaliger Agent (5 Jahre vor "Und wieder  48 Stunden") hatte mir noch nicht das Geld für diverse kleinere Rollen bezahlt, die ich zuvor gespielt hatte, einschließlich "Neon Maniacs", für den ich bis heute keinen Cent gesehen habe. Jung, dumm und stolz wie ich war, sagte ich zu meinem Agenten, ich wüsste nicht, wer Walter Hill eigentlich sei und dass ich nicht daran interessiert wäre, wieder abgezockt zu werden ... ich dummer Junge! Kurz gesagt, Walter sah das Foto und mit Hilfe meines Freundes und Schauspielerkollegen William Forsythe, kam ich mit Walter letzten Endes doch noch zusammen. Noch am gleichen Abend reisten William und ich nach Berlin, weil wir das Gefühl hatten, in dem Moment dort sein zu müssen. Es war der 15. November 1989 und noch am selben Abend unserer Ankunft standen wir am Checkpoint Charlie, hämmerten gegen die Mauer und kletterten schließlich mit Hilfe unserer neuen Freunde auf die Betonwand.

 

Der zweite Film, den ich erwähnen möchte, ist "Toy Soldiers". Es war ein wahrer Leckerbissen für einen neuen Schauspieler, der von Daniel Petrie ausgewählt wurde und die Möglichkeit hatte, mit dem großen Louis Gossett Jr. und all den aufstrebenden Schauspielern der nächsten Generation zusammenzuarbeiten. Der Film hat einen besonderen Platz in meinem Herzen, weil er die Skepsis meines Vaters bezüglich meiner Schauspielkarriere total umkehrte. Ich erinnere mich an die Premiere, die er besuchte und an den staunenden Ausdruck auf seinem Gesicht an diesem Abend. Das werde ich nie vergessen.

 

MMM: Mr. Divoff, was können Ihre Fans in naher Zukunft von Ihnen erwarten?

 

AD: Nun, dass weiß man nie in dieser Branche. Zuletzt wurden "The Hatred" und "Demons" im Jahr 2017 veröffentlicht, aber die Wahrheit ist, dass es in letzter Zeit in meiner Karriere eine Flaute gegeben hat und da ich kein Mensch bin, der nur herumsitzt, bin ich gerade dabei eine Brauerei zu eröffnen - "Three Marm Brewing Co." Ich werde euch alle diesbezüglich auf dem Laufenden halten. Ausserdem fordert mich derzeit eine andere künstlerische Arbeit: Ich arbeite an einem von mir entworfenen Djinn-Ring, und beschäftige mich mit Holz- und Kupferarbeiten.

 

MMM: Mr. Divoff, wir möchten uns für dieses wunderbare Gespräch bei Ihnen bedanken.

 

AD: Alles Gute für euch und die Fans von MMM!