Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Benni Diez

 

Der bayrische Filmnerd Benni Diez wuchs in der Umgebung von Aschaffenburg auf, wo er Anfang der 90-er Jahre seine Liebe zum Horror- und Science-Fiction-Filmemachen entdeckte.

 

Begeistert von den bahnbrechenden Entwicklungen in der Visual-Effects-Industrie, begann er, für lokale Agenturen und Produktionsfirmen zu arbeiten und seine Computer-Graphic-Fähigkeiten zu verbessern.

       

2002 begann er sein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg, Deutschlands renommiertester Filmschule für visuelle Effekte und Animation, und schloss 2007 sein Studium ab.

 

Von 2008 bis 2011 war er CEO von "Kingz Entertainment", einer Produktionsfirma für visuelle Effekte für Werbung (Toshiba, Shell, Audi) und Spielfilme (Lars von Triers "Melancholia").

 

Im Jahr 2012 drehte er einen Werbe-Teaser für das US-Script des Wespenmonsterfilms "Stung", der schließlich zur Finanzierung des Streifens in deutsch/amerikanischer Koproduktion führte. 2015 heimste "Stung" auf dem "Tribeca Film Festival" viele gute Kritiken ein. Wir sprachen mit Benni über sein Faible für das Genre, wie sich die Zusammenarbeit mit echten Weltstars anfühlt und über seine Zukunftspläne.

 

 

 

MMM: Benni, erst einmal vielen Dank für deine Zeit für uns. Springen wir Anfangs einmal kurz zurück in deine Kindheit. Kannst du dich an deinen ersten Kinofilm erinnern? Erzähle uns von diesem einschneidenden Erlebnis.

 

BD: Sehr gerne! Meine erste Erinnerung an eine Kinoleinwand ist, wenn ich mich nicht irre, „Schneewittchen“ von Disney. Da war ich bestimmt erst drei Jahre alt oder so. Man hat natürlich noch nicht viel kapiert, aber die Magie von solchen bewegten Bildern prägt sich schon sehr ein, gerade wenn sie so phantasievoll und märchenhaft sind.

 

MMM: Dein Wespenmonsterfilm "Stung" ist klasse gemacht. Die Special-FX, das Setting, die Regie, die Schauspieler... Lance Henriksen war sogar mit an Bord - wow! Erzähle uns doch ein wenig über den Entstehungsprozess des Films und wie du überhaupt mit Henriksen in Kontakt gekommen bist.

 

BD: Vielen Dank! Das erste Script zu "Stung" hatte ich schon Ende 2010 in den Händen. Das kam wiederum über einen Bekannten aus den USA, dessen Kontakt einige Jahre vorher durch meinen Filmakademie-Abschlussfilm „Kingz“ zustande kam. Da passierte aber erst mal noch wenig, außer dass ich mich mit dem Autor Adam Aresty schnell gut verstand.

 

Erst einige Zeit später, als Benjamin Munz, ein langjähriger Freund aus Studienzeiten, als Junior Producer bei "Rat Pack" in München Anfing, nahm das Projekt langsam Fahrt auf. Wir gewannen damit einen Drehbuchwettbewerb, was wiederum das Interesse der Rat Pack-Chefetage anregte.

 

Schließlich entschieden wir uns, auf eigene Faust einen kleinen Testdreh zu machen, da wir wussten, dass man einen Monsterfilm in Deutschland nicht mit Worten auf Papier finanziert bekommt. Mit dem Teaser konnte ich dann auch Todd Brown von "XYZ Films" aus den USA überzeugen, sich für das Projekt stark zu machen. Daraus resultierte dann eine Koproduktion beider Firmen, die das ganze erst möglich gemacht hat. Denn herkömmliche Förderung, das war klar, gab es nicht, also musste das ganze über weltweite Vorverkäufe finanziert werden, worin wiederum "XYZ" besonders gut waren.

 

In Folge brauchten wir namhafte Schauspieler, die Anreiz für die Finanziers boten. Da haben wir listenweise Agenturen in L.A. abgeklappert und waren letztendlich auf die Zusagen der Darsteller angewiesen. Es gab also in der Hinsicht kein wirkliches Casting, was zwar für uns glücklich verlief, ich aber so wahrscheinlich nicht nochmal machen würde.

 

Lance Henriksen war dabei aber eher so ein Wunschtraum von mir, da ich einfach dachte, Mensch der wäre doch total geil für die Rolle. Lasst ihn uns doch mal fragen, schlimmer als noch eine Absage wird es nicht. Und siehe da, er hatte Zeit und Lust. Wir mussten zwar den Drehplan sehr um ihn herum legen, weil wir ihn nur eine Woche hatten, aber das war es natürlich komplett wert.

 

MMM: Wer sind deine großen Vorbilder und welches ist dein Lieblingsmonster und warum?

 

BD: Ich bin ganz klar von den großen Mainstream-Klassikern von Lucas, Spielberg und Cameron geprägt worden. Letzterer hat für mich, zumindest bis in die 90-er hinein, einige der bahnbrechendsten Filme geschaffen, weil er trotz aller technischer Finesse auch erzählerisch immer noch einen draufgesetzt hat.

Der ganze Showdown in „Aliens“ war damals für mich so unerhört brachial (ich war ja eigentlich auch ein paar Jahre zu Jung für den Film), dass die Alien-Queen bis heute mein Nr.1 Filmmonster geblieben ist. Nicht nur wegen des genialen Designs, das H. R. Gigers Ideen eine ganz neue Dimension verlieh, sondern auch wegen der Art, wie sie durch die Story zu mehr als nur einem Effekt gemacht wurde. Die absolute Manifestation von Urängsten.

 

 

MMM: Wie begegnest du eigentlich Leuten, die mit dem Spruch "Deutsche Filme sind blöd", oder speziell "Die deutschen können keine Horrorfilme drehen" um die Ecke kommen?

 

BD: Ich erwische mich ja leider selbst oft genug dabei, so jemand zu sein. Die letzten Jahrzehnte hatten da nicht gerade viel zu bieten. Aber man darf natürlich nicht nur rumsitzen und meckern. In anderen Ländern funktioniert es auch nur dann, wenn man die Ärmel hochkrempelt und die Sache in die Hand nimmt. Die Schuld nur beim verrosteten deutschen Fördersystem zu suchen, bringt uns kaum weiter. Wir müssen Beweise erbringen, warum Gernre- und speziell Horrorfilme überall gut laufen können, wenn sie Qualität haben. Na gut, mit "Stung" haben wir jetzt noch keinen nennenswerten finanziellen Erfolg geliefert, aber zumindest konnte er sich in seinem Erscheinungsjahr in eine Reihe guter internationaler Low-Budget-Produktionen dazugesellen, ohne als eine weitere deutsche Witzproduktion besonders aufzufallen.

 

Allerdings tut sich gerade auch sehr viel. Nachwuchsfilmer haben immer bessere Möglichkeiten durch technische Fortschritte. Die Sehgewohnheiten werden durch Netflix und Co. immer internationaler. Der moderne Zuschauer lässt sich eben nicht mehr so leicht von einem deutschen Mainstream-Star um den Finger wickeln, sondern will lieber etwas gekonnt Aufrüttelndes wie „Dark“ sehen. Alles Dinge, vor denen auch die Dinosaurier unter den Produktionsfirmen nicht mehr so einfach die Augen verschließen können. Man kann also hoffen.

 

MMM: ...und wie gehst du persönlich mit Kritiken um? Das war ja auch für dich neu, auch mal eine Schelte zu bekommen. Schließlich war "Stung" ja dein Regiedebüt und da steckt ja auch viel Herzblut drin.

 

BD: Im Vorfeld hatte ich schon ein Bisschen Bammel, man ernährt sich als Kreativer ja immer auch ein Bisschen von der Reaktion der Zuschauer. Man darf sich nicht von schlechten Kritiken in einen Strudel ziehen lassen. Viel besser ist es, solche auch mal differenziert zu betrachten. Dann merkt man schnell, ja in dem Punkt haben sie Recht, das hätte man besser machen können, aber ich weiß auch woran es lag und wie man es beim nächsten Mal besser hinbekommt. Die Frage ist eben: Willst du dich von negativen Kritiken als schlechter Filmemacher definieren lassen, oder konzentrierst du dich lieber auf das eigene Wachstumspotential und versuchst das immer wieder neu herauszufordern?

 

Trotzdem waren die Kritiken, speziell von Zuschauern, ja überwiegend ganz gut. Dass einem das Mut zum Weitermachen gibt, ist natürlich nicht zu unterschätzen.

 

MMM: Benni, erzähle uns zum Schluss doch bitte noch, was bei dir aktuell in der Pipeline steckt. Worauf können wir uns freuen?

 

BD: Ich entwickle seit einiger Zeit mit zwei deutschen Autoren eine Idee zu einem Horrorfilm, der kürzlich den Produzenten von „Heilstätten“ (der ja durchaus ein kleiner Kinoerfolg war) für sich gewinnen konnte. Allzuviel kann ich noch nicht ausplaudern, aber soviel sei verraten: Der Film heißt „Todesstreifen“ und behandelt die Themen Schuld und Vergangenheitsbewältigung auf eine Art, wie wir sie im deutschen Film ganz sicher noch nicht gesehen haben.

 

MMM: Wir danken dir für dieses kleine Interview und wünschen dir weiterhin viel Erfolg. Nach Petersen und Emmerich wird es ja schließlich auch mal wieder Zeit für einen neuen deutschen Hollywood-Regieknaller. 

 

BD: Ich habe zu danken! Natürlich versuche ich erst mal, den deutschen Filmmarkt weiter aufzuwirbeln, aber wenn in der Zwischenzeit die Regisseure für die dreizehnte Star Wars-Trilogie ausgehen, mache ich auch gerne mal wieder einen Ausflug in die Traumfabrik.