Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Chris Walas

 

Wenn man an Monsterfilme aus den 80-ern denkt, fallen einem viele ein - Und mit Sicherheit fallen auch die Filmtitel „Gremlins“ und „Die Fliege“. Grandiose Monsterstreifen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Und Balthasar hatte die Gelegenheit mit einem, oder wenn nicht sogar dem (!) Vater dieser beiden (und auch anderen) Geschöpfe ein Interview zu führen.

 

Chris Walas nahm sich die Zeit, um ein paar Fragen zu beantworten. Es ist schon was besonderes, wenn uns ein waschechter Oscargewinner zur Verfügung steht. Walas ist Make-Up Künstler und Spezialeffektespezialist. Für seine Arbeit zu “Die Fliege” bekam er 1987 den oben erwähnten Oscar. 

 

 

 MMM: Lieber Mr. Walas. Vielen herzlichen Dank für die Zeit, die Sie sich für uns nehmen. Ich glaube viele hier in Deutschland kennen ihre Arbeit. Besonders wenn man an „Gremlins“ und „Die Fliege“ denkt. Aber sie haben sehr viel mehr gemacht. Seien Sie bitte so freundlich und erzählen Sie uns ein wenig über ihre bisherige Karriere.

 

Chris Walas:  Gerne. Angefangen habe ich in Low-Budget-Filmen für Roger Corman. “Piranha” (1978) war mein erster Film bei dem ich am Set dabei war. „Das Grauen aus der Tiefe“ (1980), „Up from the Depths“ (1979), „Galaxina“ (1980) oder „Insel der neuen Monster“ (1979) waren meine ersten billigen Filme. Dann fing ich langsam an für höher budgetierte Filme wie „Die unglaubliche Reise in einen verrückten Flugzeug“ (1980), „Scanners“ (1981) oder „Caveman“ (1981) zu arbeiten. Für "ILM" (Industrial Lights And Magic) arbeitete ich an „Der Drachentöter“ (1981), „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) und „Star Wars – Die Rückkehr der Jedi Ritter“ (1983). Dann gründete ich meine eigene Firma. Mein erster Film für diese Firma war „Gremlins“ (1984), gefolgt von „Emeny Mine – Geliebter Feind“ (1985), „Die Fliege“ (1986), „Die Fliege 2“ (1989), „Arachnophobia“ (1990),  „Naked Lunch“ (1991) und viele andere. Ich hatte einfach besonderes Glück mit vielen talentierten Menschen arbeiten zu dürfen.

 

MMM: Gab es einen besonderen Film oder Erlebnis, welches Sie veranlasste den Weg einzuschlagen, den Sie gegangen sind?

 

Chris Walas: Ohne Zweifel war das Ray Harryhausens “Jason und die Argonauten”. Dieser Film hat meine Zukunft definiert. Ich war komplett verzaubert von der Magie des Films. Obwohl ich vorher schon viele Monster und Fantasyfilme gesehen habe, war es “Jason” der mich veranlasste zu sagen: „Irgendwie, irgendwann will ich auch ein Teil dieser Magie sein.“ Ich hatte aber keine Ahnung wie Ray das alles machte. Also Ray Harryhausen war einer meiner großen Idole. Und Dick Smith. Dick schrieb damals ein Make-Up Buch für Kinder, die Monsterfilme gut fanden und wie man solche Masken einfach selbst macht. Und so konnte ich damals bereits einiges ausprobieren. Es war wundervoll! Aber ich wurde ebenfalls von vielen anderen beeinflusst, die die Filmmagie möglich machten: Willis O´Brien, Jack Pierce, Charlie Gemora. Ich hatte eine wunderbare Welt voller Helden, die mich begleiteten.

 

MMM:  Sie machten die SFX für “Galaxina” und “Indiana Jones”. Zwei ganz unterschiedliche Filme. Einerseits der Low-Budget-Film, andererseits das Multi-Millionen-Dollar-Budget. Gab, oder gibt es einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Filmen? Welche Art von Filmen bevorzugen Sie?

 

Chris Walas: Zurückblickend muss ich sagen, dass es damals schon noch einen größeren Unterschied gab. Mit der Einführung der CGI im Filmgeschäft ist es einfacher Filme zu machen, besonders was die SFX angeht. Damals, zu meiner Zeit, konnten sich nur die großen Filme die besten SFX leisten. Die macher von Low- Budget-Filmen mussten und konnten glücklich mit dem sein, was für das wenige Geld möglich gewesen ist. Während es sehr lohnend war für große Studios zu arbeiten, mochte ich die Arbeit an den Low-Budget-Filmen sehr. Man musste erfindungsreich und schnell sein. Meist gab es keine Zeit um alles richtig zu machen. Ich glaube, was das betrifft sind Low-Budget-Filme einfach auf ihre Art kreativer.

 

MMM: Sie gaben mit “Die Fliege 2“ (1989) ihr Regiedebüt. Wie kamen Sie an den Job und was halten Sie von Kritikern, die den Film im Vergleich zum ersten Teil nicht gut fanden?     

 

Chris Walas: “Die Fliege 2” war eine Herausforderung. Der Produzent Stuart Cornfield setzte meinen Namen auf die Regieliste und das Studio stimmte zu. Wir benutzten die wunderbaren Möglichkeiten, die Cronenbergs Film bot, um einen ehrwürdigen Nachfolger zu drehen. Aber das Studio wollte nicht so wie wir. Sie wollten nur einen "teenagergerechten" Film, also entschied ich diesen Film weniger als Monsterfilm entstehen zu lassen. Er war zwar nicht so emotional wie der erste Teil, aber ich glaube die Fans lieben ihn trotzdem.

 

MMM: Sie arbeiteten mit einigen der berühmtesten Regisseuren der Welt zusammen, wie zum Beispiel mit Steven Spielberg, David Cronenberg oder Wolfgang Petersen. Wer von Ihnen war denn der netteste und angenehmste Partner?

 

Chris Walas: David Cronenberg ist der ruhigste und verständnisvollste Regisseur mit dem ich jemals zusammengearbeitet habe. Er hat eine ganz klare Linie von dem, was er im Film sehen will. Gleichzeitig hat er einen hohen Respekt gegenüber anderen Profis aus der Branche. Er dreht nur mit Menschen die er respektiert, um seine Vision zu vervollständigen. Es ist wirklich einmalig gewesen mit so vielen unterschiedlichen Regisseuren zu arbeiten, die alle ihren eigenen Stil haben.

 

 

MMM: Animatronik oder CGI. Was mögen sie lieber?

 

Chris Walas: Ich bin immer wieder erstaunt wie sich CGI entwickelt. Jeder Film macht einen Schritt vorwärts. Aber für mich zählt nicht was besser ist. CGI erlaubt Filmemachern nicht nur Dinge zu zeigen die sie vorher nie zeigen konnten, sondern auch Dinge zu übertreiben. Spektakuläre SFX füllen jeden kleinsten Bereich der Leinwand aus mit unrealistischer Action, so dass der Film seine Magie verliert. Das Publikum bekommt quasi eine Überdosis. Ich glaube es ist besser, wenn man sich entweder für CGI oder die praktischen Effekte entscheidet. Ich finde nicht, dass die meisten CGI-Effekte real aussehen. Stop Motion ist zwar auch nicht überzeugend, aber es fühlt sich ehrlicher an. Das gleiche gilt für Animatronik. Aber letzen Endes kommt es auf den Künstler an, Egal was er benutzt.

 

MMM: Welche Projekte haben Sie grade in der Entwicklung?

 

Chris Walas: Ich mache keine Filme mehr und genieße meine Zeit beim Relaxen. Ich mache eigene Kunst und plane ein paar Kurzfilme. Ihr könnt euch gerne weiterhin informieren auf meinen Facebook- oder Instagramseiten, oder auf www.chriswalascreatures.com.

 

MMM: Natürlich darf die Frage nicht fehlen: Welcher Film an dem sie mitwirkten ist ihr Liebster?

 

Chris Walas: Das ist “Gremlins”. Welch große Leistung - Solch ein verrücktes, unmögliches und schwieriges Projekt. Wenn ich gewusst hätte was mich erwartet bei der Fertigstellung, ich hätte den Film abgesagt. Aber zum Schluss war es pure Magie und die Gremlins und den Mogwai zu gestalten war eine lohnende Erfahrung. Besonders wenn ich auch heute noch merke, wie bei dir, dass das Publikum sie liebt.

 

MMM: Lieber Mr. Walas. Ich bedanke mich aus tiefstem Herzen für die Zeit, die Sie sich genommen haben und wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft. 

 

Aus dem englischen übersetzt von Mumien-monster-mutationen.de, Copyright 2017: Mumien-monster-mutationen.de