Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit David Grasso

 

Vom kleinen Filmfan zum Effekte-Experten. So kann man in der Ultrakurzfassung den Werdegang von David Grasso zusammenfassen. Unter Make-Up-Legende Dick Smith (Der Exorzist, Der Höllentrip,...) in die Lehre gegangen, wurden ihm für TROMAS "Toxies letzte Schlacht" und dem außergewöhnlichen Body-Horror "Society" von Brian Yuzna erste Arbeiten zuteil.

 

Die Liste seiner Kreationen lässt jedem Horror- und Monsterfan das Wasser im Munde zusammenlaufen: "Edward mit den Scherenhänden", "Terminator 2", "Jurassic park", "Silent Hill", so wie die weltweit bekannten und beliebten TV-Serien "Preacher" oder "The walking Dead" wären hier nur als ein Bruchteil von dem zu nennen, was uns dank seiner Kreativität mit heruntergeklappten Kinnladen vor dem Bildschirm sitzen lässt.

 

Hier habt ihr nun die Gelegenheit den wunderbaren Künstler etwas näher kennenzulernen, denn Grasso nahm sich für uns sehr gerne die Zeit, etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern und mit uns seine eigenen Gedanken über die Themen "CGI" und "Kinomagie" zu teilen. 

 

"Die fast vergessene Welt" (2009) entsteht. Letzte Feinarbeiten von David Grasso für das Familien-Dino-Action-Abenteuer mit Will Farrell.

 

MMM: Mr. Grasso, wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre Zeit und möchten mit der Frage nach Ihrem ersten persönlichen Magic-Movie-Moment beginnen. Können Sie sich an die Anfänge Ihrer Filmleidenschaft erinnern, vielleicht sogar an Ihren allerersten Kinobesuch?

 

DG: Vielen Dank für Eure Kontaktaufnahme. Es ist mir eine Ehre und eine Freude.

Ich musste wirklich einige Zeit über diese erste Frage nachdenken…Ich bin mir nicht sicher, ob dies meine erste Kino-Erfahrung war, aber es ist die, an die ich mich am meisten erinnere...

Mein Vater nahm mich mit, um mit mir gemeinsam „Sindbads siebente Reise“ zu schauen. Dies prägte und beeinflusste mich unglaublich stark. Es war eine unfassbare Erfahrung, all diese von Ray Harryhausen erweckten Kreaturen auf der großen Leinwand zu entdecken. Auf jeden Fall begann so meine Liebe zu Miniatur-Modellen, Skizzen und Maquetten, weshalb ich leidenschaftlich gerne für einen Haufen verschiedenster Filme ziemlich viele Dinge designed habe. Ich war schon immer ein großer Fan von Harryhausen und der Zyklop ist immer noch eine meiner liebsten Stop-Motion-Kreaturen, die er je geschaffen hat.

 

MMM: Seien Sie doch bitte so nett und erzählen uns ein wenig über Ihre Karriere und Ihre ersten Schritte im Business.

 

DG: Nun, wie alle anderen auch habe ich schon sehr früh mit dem Zeichnen und Formen begonnen, was sich schließlich zur Masken- und Prothetikherstellung entwickelte. Ich hatte mich seiner Zeit für den allerersten Fortgeschrittenenkurs von Dick Smith eingeschrieben. Ich habe mich dort voll und ganz kopfüber in diese Thematik gestürzt. All die unterschiedlichen Techniken, die detaillierten Prozesse, die Fülle an Wissen, die er vermittelte, war einzigartig und hoch interessant. Dort lernte ich viele zukünftige Kollegen aus der Branche kennen. 

 

Später dann nahm ich an dem zweiten Make-Up-Contest von Screaming Mad George in L.A. teil und belegte dort den zehnten Platz mit einer eigens dafür entworfenen elektronischen Maske mit passendem Kostüm. Dort lernte ich dann auch Dick Smith das erste mal persönlich kennen, genauso wie Rick Baker und Greg Cannom. Alles absolute Spitzentypen, die mich ermunterten, auf jeden Fall meine Ziele weiter zu verfolgen, um in der Branche Fuß zu fassen. Wirklich eine tolle Erfahrung.

 

Ich blieb in Kontakt mit George und er verschaffte mir Ende der 80-er meinen ersten Job in L.A., bei dem ich an "Society" mitwirkte. Ich packte meine Brocken zusammen, flog dort hin und hatte noch nicht einmal einen Plan, wo ich dort unterkommen sollte. Es war ungewöhnlich, abenteuerlich und unglaublich spannend. Nach diesem Job flog ich heim, kratzte ein Portfolio und etwas Geld zusammen, um direkt wieder zurückzufliegen und dort meine Karriere voranzutreiben. Immer an meiner Seite: meine damalige Verlobte Michelle, die mich stets unterstützt hat und mir den nötigen Antrieb gab, auch wenn es mal den ein oder anderen Durchhänger gab. Nun ist sie bis zum heutigen Tage meine Ehefrau und Muse gleichermaßen.

 

Ich sprach bei Stan Winston vor und konnte dort an großartigen Filmen wie "Edward mit den Scherenhänden" oder "Predator 2" mitarbeiten. Es war immer mein Ziel, dort mitzuwirken, seit dem ich einige Artikel über ihn und seine Crew in "Fangoria" oder "CineFX" gelesen hatte. Bei Winston blieb ich fast zehn Jahre und arbeitete an den wunderbarsten Projekten, die man sich vorstellen kann. "Terminator 2 & 3", "Jurassic Park 1, 2 und 3", "Batman begins", "Congo", "Das Relikt", A.I. - Künstliche Intelligenz" oder auch "Constantine", um nur einige zu nennen.

  

David Grasso bei den Arbeiten zu "Michael Jacksons Ghosts", bei dem FX-Legende Stan Winston Regie führte.

 

 MMM: TROMA, KNB-EFX-GROUP, STAN WINSTON STUDIOS - eine geniale Karriere. Sie haben viel erreicht, viel erlebt und viel gemacht. haben Sie eigentlich irgendeinen speziellen persönlichen "Liebling" unter all ihren Arbeiten?

 

DG: Davon gibt es in der Tat so einige. Ich picke jetzt einfach mal "Jurassic Park" heraus. An dem ersten Teil beteiligt gewesen zu sein, war wirklich ein ganz spezielles Erlebnis und dies aus verschiedenen Gründen. Ich war schon immer ein riesen Dino-Fan und solch animatronische Monster zu steuern, während dir der einzigartige Steven Spielberg Regieanweisungen gibt, ist schon ein Wahnsinnserlebnis und das sind Momente, die man sein Lebtag nicht vergisst! Es war mit Sicherheit auch das größte Projekt, an dem ich bis Dato gearbeitet habe.

 

Oder auch an "Hellboy 2" zu arbeiten, war unglaublich toll. Nicht nur aufgrund der vielen wunderbaren Kreaturen, die wir dort erschufen, sondern auch wegen Guillermo del Toro. Wir trafen hier das erste mal zusammen und dies war der Beginn einer großartigen Partnerschaft, die bis heute anhält. Ich entwarf während all der Jahre so einige schöne Sachen für ihn, bzw. gemeinsam mit ihm. Das Kreatur-Design für "Shape of Water" zu entwerfen war eine der schönsten Herausforderungen meiner Karriere. Und für del Toro gab es dafür vier Oscars :)

 

Ansonsten habe ich schon länger ein Schmuckstück im petto, nämlich die Monster-Skulptur für das leider nie realisierte Remake des Klassikers "Der Schrecken vom Amazonas". Ich hatte es damals bei "Mike Elizalde's Spectral Motion" hergestellt und ein guter Freund von mir hatte es designed - Mark "Crash" McCreery. Aus der UNIVERSAL-Schmiede war diese Kreatur schon immer mein Lieblingsmonster gewesen. Somit war dies war eine besonders ehrenvolle Arbeit.

 

MMM: Wie stehen Sie eigentlich persönlich zu dem nicht unumstrittenen Thema "CGI"? Brauchen wir wieder mehr handgemachte Effekte im Film?

 

DG: Ich persönlich ziehe erst einmal grundsätzlich den klassischen Effekt dem computergenerierten Effekt vor. Es ist daher erfreulich zu sehen, dass es dahingehend eine Rückbesinnung zu geben scheint. Sowohl im Kino, als auch im TV gibt es endlich wieder immer mehr klassische Make-Ups zu bewundern. Ich habe in letzter Zeit auch viel mit digitalen Effekten gearbeitet. Ich lieb' das auch sehr - bitte nicht falsch verstehen. Ich denke die Mischung machts. Eine gute Symbiose aus "handgemacht" und "CGI" kann einen spitzenmäßigen Effekt ergeben.

 

MMM: Seit gut 30 (!) Jahren beeindrucken Sie nun das Publikum mit ihren tollen Ideen und Entwürfen. Wann waren SIE eigentlich das letzte mal so richtig geflasht von einem Film?

 

DG: Schwierig...ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich zum letzten mal so richtig beeindruckt vor der Leinwand saß. Ich will damit nicht sagen, dass in den letzten Jahren nicht einige hervorragende Produktionen auf den Markt gekommen sind, aber von den Effekten her...mal überlegen. Am ehesten habe ich wohl noch bei "Herr der Ringe - Die Gefährten" große Augen bekommen. Die Art und Weise wie hier der klassische Fantasyfilm wiederbelebt wurde, war schon sehr beeindruckend. Es wirkte episch, groß und versprühte die Art von Kinomagie, dich ich von Ray Harryhausen aus meiner Kindheit her kannte. 

 

Ach ja, und was mich wirklich weggeblasen hat, war die TV-Serie "game of Thrones". Da wurde ja mal wohl so richtig aufgefahren. Magisch in jeder Hinsicht und ein Meilenstein in der Fernsehgeschichte. Die Make-Up-FX und Digitaleffekte gehören zur absoluten Creme de la Creme.

 

MMM: Können Sie uns am Schluss noch etwas über Ihre momentanen und zukünftigen Projekte verraten? Was kommt demnächst auf uns zu?

 

DG: Nun, ich habe mich intensiv mit dem 3D-Druck beschäftigt und ich liebe die Ergebnisse, die Sie erzielen. Ich erstelle mittlerweile so ziemlich alle meine Maquettes auf diese Art. Der Vorteil dabei ist, dass man so direkt die digitalen Modelle für die Visual FX-Kollegen bereit hat, wenn sie sie brauchen. Ich habe auf diese Weise einiges davon für den neuen "Hellboy"-Film gemacht, der im April 2019 herauskommen wird. "Captive State" ist ein weiterer Film, der im April veröffentlicht wird und in dem ich viel mit 3D-Druck gearbeitet habe. Das alles hat wirklich super geklappt. Ich habe gerade die Designphase für den neuen „Spawn“-Film von Todd MacFarlaine abgeschlossen, ein wirklich tolles Projekt, deren Produktion hoffentlich bald mit einem Haufen praktischer Make-up-Effekte beginnen wird.


Ich muss an der Stelle einmal meinen beiden Chefs Greg Nicotero und Howard Berger meinen Dank dafür aussprechen, dass sie mir so viele tolle Projekte wie dieses anvertrauen.


In Bezug auf persönliche Projekte habe ich derzeit mehrere, an denen ich arbeite, die auf den Geschichten von H.P. Lovecraft basieren. Es ist schwierig, an persönlichen Dingen zu arbeiten, wenn man so mit seinem Vollzeitjob beschäftigt ist, aber ich bin der Meinung, dass sich jeder die Zeit nehmen sollte, auch seine persönlichen Dinge zu realisieren, um sich und seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können. Wir sind ja alle Künstler und sollten nicht müde werden, uns die Inspiration von anderen Künstlern zu holen, um weiterhin schöne Dinge zu erschaffen.

 

MMM: Mr. Grasso, wir danken Ihnen für dieses sehr interessante Gespräch und wünschen Ihnen genau DAS! Noch ganz ganz viele kreative und gesunde Jahre. Alles Gute für Sie!