Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Douglas McKeown

 

Der 1947 in New York geborene Douglas McKeown ist nicht nur Lehrer, Bühnenbildner, ein renommierter Schauspieler, Theater- und Musicalregisseur, er ist auch Filmschaffender. Jedoch hat er in all den Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit nur einen einzigen Film gedreht: den wunderbaren B-Monster-Kracher KOSMOKILLER - SIE FRESSEN ALLES (THE DEADLY SPAWN, 1983). Das mit viel Herzblut und Liebe zum Detail entstandene Projekt hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem kleinen Kultklassiker gemausert, für den sich mittlerweile eine große Fangemeinde rund um den Globus gefunden hat.

 

McKeown hat jedoch noch so Einiges mit uns gemein, denn er ist bekennender Monstergeek. Zeit für eine kleine 5-Minuten-Terrine mit dem sympathischen Herren.

 

 

MMM: Mr. McKeown, schön Sie heute bei uns zu haben. Vielen Dank für Ihre Zeit. Ihr Klassiker THE DEADLY SPAWN ist einer meiner liebsten B-Monster-Filme. Dieser Flick ist einer der Gründe, warum ich mit meinen Freunden und meiner alten Super 8-Kamera angefangen habe, Horror- und Splatterzeugs zu drehen. Ein wunderbarer Film, der mittlerweile unter Fans Kultstatus genießt. Können Sie uns sagen, welche Filme oder Regisseure Sie beeinflusst haben? Gab es diesen einen besonderen Moment, als Ihnen klar wurde, dass Sie diesen Film machen möchten?

 

DM: Es freut mich wirklich riesig zu hören, dass THE DEADLY SPAWN eine Ihrer Inspirationen als Filmemacher war! Ich habe so viele Einflüsse, ich weiß kaum, wo ich anfangen soll. Sicher, James Whale war ein großer Einfluss. Als ich noch sehr jung war, war ich Feuer und Flamme für seine drei großen Meisterwerke FRANKENSTEIN, DER UNSICHTBARE MANN und FRANKENSTEINS BRAUT. Ich kopierte die Make-ups, studierte die Spezialeffekte und lernte jeden einzelnen Dialog auswendig. So war es auch nicht überraschend, dass ich später ein Fan von Lon Chaney wurde. Im Laufe der Jahre kamen Namen hinzu wie (in keiner bestimmten Reihenfolge): F.W. Murnau, Jacques Tourneur, Orson Welles, Federico Fellini, Ingmar Bergman, Fritz Lang, Alfred Hitchcock, Charles Laughton (Die Nacht des Jägers), Akira Kurosawa, Francois Truffaut, Sergei Eisenstein, Luis Bunuel und viele andere. Wie es bei den meisten Filmen wohl der Fall ist, kam der "besondere Moment" für THE DEADLY SPAWN einfach, als sich die Gelegenheit bot. Und es waren viel mehr als nur einige Momente. 1979-80 arbeitete ich Off-Broadway als Regisseur, Schauspieler und Bühnenbildner, als mein Freund John Dods (damals bekannt als Bruce Dods) anrief, um mir zu sagen, dass er und ein Mitarbeiter Hilfe dabei bräuchten, den Schauspielern für einen Film , den sie gerade entwickelten, Hilfestellung zu geben. Ein Horrorfilm! In erster Linie war ich ja ein Horrorfan, also war das der Moment # 1. Als ich ihm dann sagte, ich würde nur zustimmen, wenn ich die Verantwortung für den gesamten Film übernehmen kann und nicht nur für die Schauspielerei, war dies dann Moment # 2. Und am Ende schrieb ich dann gemeinsam mit den beiden auch noch das Drehbuch für die Geschichte (Moment # 3).

 

MMM: Die DEADLY SPAWN-Kreaturen sind so wunderbar widerlich. Ich liebe sie einfach! Können Sie uns etwas über den Design-Prozess von FX-Artist John Dods und Ihrem Team erzählen?

 

DM: Die Kreaturen sind ausschließlich ein Werk von John Dods und seinem Team. Ich kannte ihn seit Jahren und beobachtete ihn stets dabei, wie er in seinem Keller Animationen erschuf, und er arbeitete auch an meinen Bühnenproduktionen mit und an einer Dokumentation, die ich dann 1975 mit seinem Rückprojektionsfernseher aufführte. John ist ein sehr methodischer und gründlicher Künstler. Wir hatten geplant, die Effekte mit den Schauspielern zusammen direkt am Set zu integrieren, aber er brauchte so viel Zeit für die Kreaturen...die meisten Effekte mussten dann später in den Film eingebracht werden. Er baute zuerst das Metall-Gestänge für die "Spawn-Mutter", wie wir sie nannten, und dann die unzähligen kleineren Puppen in verschiedenen Größen, die in einigen Szenen mit den Schauspielern verwendet wurden. Ich denke sein genialster Effekt war, wie die Babys sich wanden und durch das Wasser schwammen.

 

MMM: In Ihrem Film spielt Charles George Hildebrandt den unerschrockenen Monster-Geek-Jungen Charles. Klingt ein bisschen nach Ihnen, als Sie jung waren. Wie viel von der Rolle des Charles steckt in Douglas McKeown?

 

 

DM: Ja, in der Tat. Der Charakter von Charles hat eine leichte Ähnlichkeit mit dem 11-jährigen Doug. Mein Enthusiasmus für das Drehbuch nahm wirklich Gestalt an, als ich mich mit Charles‘ kleinem Bruder beschäftigte, der wegen der Liebe zu Sci-Fi und Horror verspottet wurde, letzten Endes dann aber doch der Held seiner eigenen Geschichte war. Man könnte also sagen, dass ich den ganzen Film auf dramatische Ironie aufgebaut habe. Aber er ist nur ein bisschen wie ich. Ein anderer Teil seines Charakters stammt auch direkt von dem Schauspieler Charles selber. Für meine eigene Geschichte aus den 50-er Jahren war nicht wirklich Platz in dem Film. Wenn ich mehr von meinem persönlichen Charakter eingebracht hätte, hätte ich für Charles Make-up statt Masken verwendet und ich hätte ihm ein aufwendigeres Kostüm verpasst, statt nur einen roten Umhang. Darüber hinaus bestand unsere Nachbarschaft aus verängstigten Kindern, die ich regelmäßig erschreckte und nicht aus diesbezüglich verdutzten Verwandten und ahnungslosen Elektrikern.

 

Schrecken aller Nachbarn: Douglas McKeown in einer seiner Masken. 

 

MMM: Erstaunlicherweise ist THE DEADLY SPAWN der einzige Film, den Sie jemals selbst geschrieben und inszeniert haben. Wahrscheinlich wurden Sie dies schon tausend Mal gefragt, aber ich persönlich finde nirgendwo im Internet oder in irgendwelchen Publikationen eine Antwort auf diese Frage. Ihre deutschen Fans wollen es nun wissen: Warum zur Hölle hat ein talentierter Regisseur wie Sie keine weiteren Filme gemacht?

 

DM: Sie haben keine Antwort auf diese Frage gelesen, weil ich nie eine zufriedenstellende gegeben habe. Als ich dies zum ersten Mal beim "UCLA Film- und Fernseharchiv-Screening" von SPAWN gefragt wurde (das muss so 2003 oder 2004 gewesen sein) antwortete ich darauf: "Niemand hat mich gefragt." Das stimmt, aber es stimmt auch, dass ich nie wirklich Zugang zur Film-Industrie bekam. Ich war zum einen allergisch gegen diesen Hollywood-Lifestyle, und ich hatte zum anderen nie die Möglichkeit an so viel Geld zu kommen, welches man gebraucht hätte, um Filme zu drehen. Vielleicht ist die beste Antwort, dass ich ein schrecklicher Verkäufer meiner eigenen Fähigkeiten bin und nie das Glück hatte, "entdeckt" zu werden. Und mittlerweile ist es einfach ein bisschen zu spät für diese Thematik! Vergessen Sie nicht, THE DEADLY SPAWN hat jetzt viele Fans, aber als er 1983 herauskam, wurde er sowohl von Kritikern als auch von Publikum gründlich verrissen.

 

MMM: Es ist nie zu spät, einen Film zu machen. Ich meine, schauen Sie sich George Miller und seinen wahrhaft furiosen MAD MAX - FURY ROAD an. Also, nur mal angenommen, es würde sich die Möglichkeit dazu ergeben. Hätten Sie eine Skript-Idee und Wunschkandidaten für den Cast?

 

DM: Meine Bewunderung für George Miller und „Fury Road“ ist grenzenlos. Danke, dass ihr mich mit ihm in einem Atemzug nennt. Was die „Was-wäre-wenn-Frage“ anbelangt, so wollte ich lange Zeit einen Film machen, der von den realen Heldentaten eines jungen Horror-Monster-Herstellers handelt, also ähnlich wie meine eigene Story. Da gäbe es sicher viel Material. Casting? Hmmm…im Jahr 1989 hätte ich den 14-jährigen Hugh O'Connor von „MY LEFT FOOT“ gecastet; im Jahr 2009 den 14-jährigen Tim Chalamet, der ein Genie ist. Ihr seht, es ist einiges an Talenten vorhanden, doch die Jungs werden immer größer und älter…doch ich habe weder ein Skript, noch eine ausgereifte Idee :)

 

Einer von Douglas McKeowns Wunschkandidaten für eine Filmidee: Hugh O'Connor.

 

MMM: In den frühen 70-er Jahren unterrichteten Sie in den Bereichen Film, Theater und Literatur. Einige Ihrer Schüler wurden später sehr erfolgreiche Player in der Entertainment-Branche, zum Beispiel der Autor und Regisseur Richard Wenk (16 Blocks, The Expendables 2 oder The Equalizer 1 & 2), Animator, Autor und Regisseur Tom Ruegger (Tiny Toon Adventures, Animaniacs , Pinky und der Brain) oder der Illusionist David Copperfield. Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu einigen Ihrer Schüler und evtl. auch eine nette kleine Geschichte aus dieser Zeit?

                                 

DM: Also eines muss ich jetzt mal kurz loswerden: Das sind wirklich schöne Fragen.

Ich bin tatsächlich noch in Kontakt mit ehemaligen Studenten, und ich bin wirklich glücklich darüber. Richard Wenk hat mich sogar seiner Zeit eingeladen, an der New Yorker Premiere von THE EQUALIZER (2014) teilzunehmen. Eine von lediglich zwei Filmpremieren, zu der ich jemals eingeladen wurde. Sie werden niemals raten, welche die Erste war. Ich verrate es Ihnen: Es war VAMP (1986) mit Grace Jones und unter der Regie von...Richard Wenk - sein allererster Spielfilm. Er setzte mich direkt neben Andy Warhol! Ich würde sagen, dass Richard in den meisten meiner Klassen zugegen war. Schon direkt in der Highschool begegneten wir uns zum ersten mal. Er war ein lustiger, energischer und wirklich kecker Bursche. Als David Kotkin (Copperfield) 14 Jahre alt war, fragte er mich höflich, ob er eine magische Aufführung in die Klasse präsentieren dürfe. Ich war beeindruckt von seinem Ehrgeiz und seiner Chuzpe. Er nahm Shakespeare-Unterricht und spielte in meiner Inszenierung von "The Winter's Tale" mit. Er hat mich vor ein paar Monaten angerufen (45 Jahre später!), einfach um zu plaudern und um mir zu sagen, dass er an mich denkt und was er damals über das Thema Bühnenkomposition gelernt hat, während er eine meiner Proben in der High School gesehen hat. Ich war sehr bewegt, dies zu hören. Tom Ruegger war damals Schüler in meinem Filmunterricht, und ich denke auch, dass dies der Ort war, an dem er beschloss, eine Karriere in dem Business anzusteuern. Heute ist er ein Facebook-Freund. Ich denke, ich bin genauso stolz auf meine Lehrerjahre wie auf alles andere, was ich sonst so gemacht habe...vielleicht waren diese Jahre sogar die Besten.

 

MMM: Was machen Sie eigentlich heutzutage? Gibt es Spannendes zu berichten?

 

DM: Ich arbeite Vollzeit als Archivar und "Forscher" für eine Filmfotoagentur. Seit einigen Jahren arbeite ich auch zusätzlich in den Abendstunden und am Wochenende als Schauspieler. Diese Art von Stundenplan ist ziemlich hart und zeitraubend, so dass ich ein leidenschaftlicher Kinobesucher statt Filmemacher geworden bin. Ich meine, GET OUT (2017) dreimal hintereinander zu sehen war fast so aufregend wie das Drehen eines eigenen Films. Vor ein paar Jahren konnte ich auf Wunsch eines Filmfestivals ein paar sehr preiswerte Kurzfilme (nur einige Minuten lang) drehen. Jedoch habe ich sie nicht öffentlich gemacht, weil sie im Wesentlichen nur aus Spaß an der Freude entstanden sind. Aber sag niemals nie. Ich habe mehrere Ideen in meinen Word-Dateien gespeichert, die sich zu etwas entwickeln könnten. Wer weiß...

 

MMM: Mr. McKeown, es war uns ein großes Verngügen mit Ihnen zu plaudern. Von Herzen alles Gute für Sie!

 

aus dem englischen übersetzt von: mumien-monster-mutationen.de, copyright 2018: mumien-monster-mutationen.de