Die 5-Minuten-Terrine – Ein Kurzinterview mit Ethan Wiley

 

Der US-amerikanische Regisseur, Produzent und Autor Ethan Wiley schenkte uns einige waschechte Kultklassiker. Beispielsweise ist er der geistige Vater von zwei der besten Monsterfilme der 80-er Jahre: er schrieb das Drehbuch für "House" und schrieb und inszenierte die Fortsetzung "House 2".

 

Aber das ist noch nicht alles, liebe Mutanten! Wiley ist ein großartiger Typ, der noch viel mehr dazu beigetragen hat, um uns Film-Nerds ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Wir haben ihn um ein paar Antworten gebeten und fühlen uns geehrt, dass wir die Gelegenheit hatten, mit ihm über seine Karriere, seine Meinung zum Thema „Horror“ und seine aktuellen und zukünftigen Pläne zu sprechen.

 

 

 

MMM: Mr. Wiley, vielen Dank für Ihre Zeit, die Sie sich heute für uns nehmen. Könnten Sie uns bitte zunächst die Geschichte Ihrer Karriere im Filmgeschäft erzählen? Wie hat alles angefangen?

 

EW: Nun, ich bin seiner Zeit an die UCLA gegangen, um dort Theater und Film zu studieren. Zu dieser Zeit war mein Vater Kunstlehrer und er hatte einen Schüler, der für „Industrial Light and Magic“ arbeitete und für die Star Wars-Filme im Model-Shop im Einsatz war. Sein Name war Mark Thorpe - ein Künstler, der später die TV-Show „Robot Wars“ kreierte. Thorpe war die einzige Verbindung, die ich zum Filmgeschäft hatte. Wie auch immer, er liebte meinen Vater, er war sehr hilfsbereit, um die Verbindungen ins Business für mich zu knüpfen, und er brachte meinen Onkel, der auch Künstler ist, dazu, im Modellbau zu arbeiten. Also ging Thorpe zu Phil Tippett und sagte: „Ich kenne da diesen Jungen und er ist bereit zu arbeiten.“ Und Tippett erwiderte: „Sehr gut, wir brauchen gerade noch jemanden.“ Also bestand meine erste Aufgabe darin, den Modellbau-Laden in Schuss zu halten, jede Nacht aufzuräumen, den Boden zu fegen und so weiter. Dann geschah es, dass plötzlich jemand auf mich zukam und sagte, er brauche jemanden, der Ewok-Füße erschafft. So fing ich an, Ewok-Füße für „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ zu kreieren. Ich war damals ungefähr 20 Jahre alt. Ich wechselte also von der "Modell-Asservatenkammer" zum Set, wurde Mitglied der Second Unit und zog von da an die Ewoks an. Ich war der Ewok-Hirte sozusagen – lol. Es war eine großartige Erfahrung, für die Second Unit zu arbeiten, die ein riesiges Team war. Sie haben den Bunker auf Endor gesprengt, sie haben die Szenen mit den schwebenden Motorrädern gedreht, usw. Ich konnte allen Stunts, der Action und den Explosionen beiwohnen.

 

Nachdem das vorbei war, hatte ich die Möglichkeit, für einen Typen namens Chris Walas zu arbeiten, der ILM verließ, um sein eigenes Ding zu machen. Also war ich sein Angestellter Nummer eins und wir haben nach Möglichkeiten gesucht, für einige Filmprojekte zu arbeiten. Wir waren fast ein Jahr lang im Grunde arbeitslos und haben an Modellen und Miniatur-Designs für Filme gearbeitet, die nicht realisiert wurden. Irgendetwas ist mit dem Studio passiert, das Projekt wurde verworfen und so weiter. Wir waren kurz davor, aufzugeben. Ich dachte darüber nach, wieder zur Schule zu gehen und Walas wollte seine Firma an den Nagel hängen, als plötzlich Joe Dante anrief und sagte: „Wir arbeiten gerade an diesem Film mit dem Titel „Gremlins“ und wir brauchen hierfür sehr schnell und billig viele viele Gremlins. Also haben wir den Job bekommen und ich habe zwei Jahre lang für den Film „Gremlins“ gearbeitet, beginnend mit den ersten Konzepten und Entwürfen, bis hin zu den endgültigen Dreharbeiten. Zum Beispiel habe ich bei dem Projekt viel Puppenspiel gemacht.

 

MMM: Wir hatten vor einiger Zeit über unsere Partnerseite www.science-fiction-filme.com auch ein Interview mit Chris Walas geführt und er sagte uns, dass es ein sehr sehr verrückter Job war, für den Gremlins-Film zu arbeiten.

 

EW: Ja, es war wirklich verrückt. Wissen Sie, es wurden seiner Zeit für „Gremlins“ viele junge Talente eingestellt, die sehr günstig waren, weil sie sich einfach für diesen Film keine teuren Leute leisten konnten. Sooo viele talentierte Leute kamen aus diesem Studio. Einige von ihnen sind immer noch in der Spezialeffektbranche tätig und leisten bis heute wunderbare Arbeit. Es hat riesigen Spaß gemacht; wir haben die ganzen Wochenenden durchgearbeitet, aber das war uns egal. Wir waren einfach begeistert, dass wir für Joe Dante und Steven Spielberg arbeiten konnten.

 

MMM: Erzählen Sie uns bitte von Ihrem allerersten „Magischen Filmmoment“. Können Sie sich daran erinnern?

 

EW: Oh, das ist eine gute Frage. Es gibt wahrscheinlich mehrere...lassen Sie mich nachdenken. Vielleicht „Jason und die Argonauten“. Dieser Kampf mit der Skelettarmee, das ist wohl einer dieser Momente gewesen, genauso wie einige der alten Klassiker, beispielsweise „King Kong“. „Jason und die Argonauten“ war visuell so einfallsreich und hat mir gezeigt, dass man tatsächlich  in eine andere Welt hinein versetzt werden kann. Es hat mich wirklich fasziniert. Wenn es eine Kontinuität in den Filmen gibt, die ich gemacht und produziert habe, dann die, dass sie fast immer ein fantastisches Element enthalten…etwas, das nicht normal ist, die unnatürliche Kreaturen oder Ähnliches beinhalten. Ich liebe Filme, die dich in eine andere Welt entführen können, genau wie die Filme, die Joe Dante gemacht hat. In meinen ersten Filmerinnerungen dreht sich alles um genau diese Art von Filmen.

 

MMM: Wie funktioniert „Horror“ am besten und was macht für Sie persönlich so viel Spaß, von einem Film in Angst und Schrecken versetzt zu werden?

 

EW: Ich denke, es ist einfach das Adrenalin und die visuelle Reaktion. Manchmal sitzt du an einem dunklen Ort und schaust dir einen Film an, der dich tatsächlich in eine andere Welt entführt und dir eine andere Erfahrung bietet. Übrigens: es ist unerheblich, ob es sich dabei um einen Actionfilm oder um ein Drama handelt, solange es das Publikum zur Aufhebung des eigenen Unglaubens bringt. Für mich muss ein Film auf dieser Ebene funktionieren. Es gibt bestimmte Filme, die das Konzept der Schwerkraft und der Gefahr ausser Kraft setzen. Wenn der Held nicht getötet werden kann oder unverwundbar ist, bin ich nicht so interessiert an der Story, aber wenn er aus einem Zug fallen und sterben könnte, dann bin ich definitiv ganz nah an der Leinwand dran. Daher denke ich, dass die Aufhebung des Unglaubens das Wichtigste ist, wenn man in einen Film hineingezogen wird und wenn es sich real anfühlt und man das Gefühl hat, dass dies wirklich passieren könnte. Wenn ich persönlich ein Teil dieser nicht realen Welt wäre und von einem Monster gejagt werden würde, es mich aber niemals schnappen könnte, weil das ganze wie ein Cartoon aufgebaut ist, oder wenn das Monster den Helden niederstreckt, dieser aber  immer wieder zurück ins Leben kommen  kann, dann spürt man als Zuschauer halt keine „echte Gefahr“. Wie diese Transformers-Filme. Ich bin wirklich eingeschlafen, als ich versucht habe, „Transformers“ zu schauen. Darin liegt einfach kein Grundprinzip der Realität!

 

MMM: Ich weiß genau, was Sie meinen. Ich habe dieses Gefühl zum Beispiel bei George Romeros „Zombie - Dawn of the Dead“. Es ist eigentlich ein völlig absurdes Szenario, aber es wirkt so wie: Hey, das könnte real sein.

 

EW: Genau! Und „Die Nacht der lebenden Toten“ war wahrscheinlich der erste Film, vor dem meine Freunde und ich wirklich Angst hatten, weil er auf einer sehr menschlichen Ebene ablief. Eine echte Welt, ein echter Ort und echte Menschen in einem höchst außergewöhnlichen Szenario. Ich würde allerdings auch für die andere Seite plädieren, wie beispielsweise im ersten „Indiana Jones“. Es gibt wirklich unglaubliche Momente, aber sie waren so gut inszeniert, dass man an dieses Szenario geglaubt hat. Denken Sie nur an die Szene, in der Jones gegen diesen Typen am Flugzeug kämpft hat und dabei der Propeller immer näher kommt. Sie haben das Gefühl, dass alles geografisch und visuell absolut einen Sinn macht. Leider werden viele moderne Actionfilme mit schnellen Schnitten verhunzt, so dass man einfach nicht das Gefühl hat, in einer realen physischen Umgebung zu sein.

 

MMM: Bleiben wir doch noch ein wenig bei der Thematik „Realismus“. Nehmen wir an, dies ist nun tatsächlich ein echtes Szenario aus einem Film, und Sie müssten sich jetzt entscheiden, in welchem Haus Sie NIEMALS übernachten würden: im Haus von Mrs. Bates, im Haus von Roger Cobb oder in der Amityville?

 

EW: Ich denke, im Haus von Norman Bates. Ich meine, natürlich gibt es da mit Sicherheit einige aufregende Dinge zu entdecken, aber am Ende wäre es mir persönlich zu hart, da ich dort wirklich um mein Leben kämpfen müsste. Im Amityville-Haus passieren auch einige seltsame Dinge, soviel ist mal sicher. Hmmm…eine schwierige Wahl. Aber ich würde definitiv eine Nacht mit Roger und Harold im Haus von Roger Cobb verbringen wollen, wir würden ein paar Freunde einladen, die Kreaturen gemeinsam bekämpfen und versuchen, sie zu fotografieren, um den Menschen zu beweisen, dass sie echt sind – lol.

 

 

MMM: Sie sind Produzent, Drehbuchautor, Regisseur, Musiker, FX-Spezialist und Filmkomponist. Welche dieser Arbeiten macht ihm am meisten Spaß und warum?

 

EW: Regie zu führen macht am meisten Spaß. Das Produzieren hat so seine eigenen Schwierigkeiten. Ich habe oft gescherzt, wenn ich jemanden finden könnte, der ein perfektes Drehbuch für mich schreibt, dann würde ich mich freuen, weil ich dann keines schreibe müsste – lol. Es ist wirklich nie passiert, dass ein Drehbuch meinen speziellen Geschmack getroffen hat. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe Skripte gelesen, die wirklich sehr gut waren, aber ich wollte daran immer eine Menge Dinge ändern. Es war nie die Absicht in meiner Karriere, aber aus irgendeinem seltsamen Grund habe ich für alle Filme, die ich produziert oder inszeniert habe, auch das Drehbuch geschrieben. Das war in keiner Weise so geplant. Es könnte also Leute geben, die denken: „Wiley wird dieses Drehbuch sowieso nicht inszenieren, also werden wir ihn gar nicht erst kontaktieren.“ – lol. Doch so ist es nicht. Ich bin immer offen für ein gutes Drehbuch, in das jemand sein Herzblut, seine Zeit, Mühe und seinen Schweiß gesteckt hat. Übrigens: es ist eine sehr interessante Sache, wenn man zugleich Schriftsteller UND Regisseur ist. Das Schreiben ist eine sehr einsame Angelegenheit. Man ist viele Stunden allein in einem Raum mit einem Computer - und dann ist man  plötzlich als Regisseur für 30 oder 130 Personen verantwortlich, man muss ein großes Team leiten und man ist für das gesamte Projekt verantwortlich.

 

Es ist irgendwie ein recht schizophrener Lebensstil, aber ich denke, der Grund, warum ich mich in erster Linie dem Film widmete, bevor ich Dichter, Künstler oder Musiker wurde, ist, dass ich dieses Zusammenspiel beim Filmemachen liebe. Und ich finde es toll, wenn es funktioniert. Wenn man einen Produktionsdesigner hat, der mit Konzepten und Know-how aufwartet, von dem man so niemals träumen würde, oder einen Spezialeffektkünstler, der eine Kreatur besser entwirft, als man  es sich vorgestellt hat; Schauspieler, die deine Arbeit zum Leben erwecken und etwas Spezielles hinzufügen, das besser ist als das, was man zu Papier gebracht  hat. All dies bewirkt für mich diese Freude am Filmemachen, dieses kollaborative Kreativteam zusammenzubringen, von dem man weiß, dass jeder, der an dem Film beteiligt ist, für dieses eine gemeinsame Ziel arbeitet: eine großartige Geschichte zu erzählen. Das ist für mich das Wunderbare am Filmemachen  im Vergleich zu anderen kreativen Künsten.

 

MMM: Sie haben ganz großartige Dinge auf die Leinwand gezaubert. Zum Beispiel haben Sie das Drehbuch für „House“ geschrieben, das Skript für „House 2“ verfasst  und diesen auch selbst inszeniert. Nun kann uns also endlich jemand sagen: wie erschafft man einen Kult-Klassiker? Was ist das Geheimnis daran?

 

EW: Wissen Sie, wir haben nur versucht Filme zu machen, die wir für unterhaltsam hielten. Ich denke, eine Sache an den House-Filmen, die ein bisschen missverstanden wird - und vielleicht ist es unsere eigene Schuld- ist, dass wir die Idee hatten, einen Film zu machen, den die ganze Familie gemeinsam sehen konnte. „House“ wurde von den Machern von „Freitag der 13.“ produziert - all diese gewalttätigen Filme, die auf eine relativ enge Altersstruktur bezüglich des Publikums abzielten, die für Teenager im Alter von 14 bis 17 Jahren gemacht wurden. Wissen Sie, es ist witzig. Ich erinnere mich, dass meine Mutter einmal über den Film „Das Phantom der Oper“ gesprochen hat; wie sie ihn gemeinsam mit ihrer Familie anschaute, als sie jung war. Sie hatte Angst und  wochenlang Albträume. Ich erinnere mich, dass mir diese Geschichte haften geblieben ist und dass ich dachte: wow, das ist interessant, dass man als Kind gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Vater, seinem Opa und allen Anderen einen Horrorfilm anschauen kann.

 

Heutzutage sind die Filme viel mehr demografisch ausgerichtet. Entweder werden sie für kleine Kinder, Teenager oder für Erwachsene gedreht. Ich allerdings mag die Idee, Filme für ein breiteres demografisches Publikum zu machen. Manchmal unterscheidet sich die Vision eines bestimmten Films vom Standpunkt des Produzenten und von den Plänen des Regisseurs…also, wenn das Studio beispielsweise auf ein eine R-Rating hinarbeitet - mit Blut und Gewalt. Es dreht sich alles um Marketing, und ich kann natürlich verstehen, warum sie das tun. Aber wir haben versucht, mit den House-Filmen einen Film zu machen, den sich ein 12-Jähriger, ein 8-Jähriger oder ein Erwachsener anschauen kann und der trotzdem eine gute Mischung aus Humor, Phantasie und Satire bietet, so dass einfach jede Altersgruppe damit Spaß hat.  

 

 

MMM: Sie sind nunmehr seit über 30 Jahren im Filmgeschäft tätig und haben mit Leuten wie Carrie Fisher, Joe Dante, Jeffrey Combs, Harrison Ford oder Fred Williamson zusammengearbeitet. Welcher von ihnen hat Sie am meisten beeindruckt, wurde ein guter Freund oder hat Sie vielleicht sogar in Ihrer Arbeit beeinflusst?

 

EW: Joe Dante hat mich mit all seiner Kreativität eindeutig beeinflusst, und natürlich ist Chris Walas ein großer Mentor für mich, nicht nur in Bezug auf die Spezialeffekte. Er hat ein unglaubliches Wissen über die Geschichte des Films an sich, und wir haben viele Stunden darüber gesprochen, was einen Film erfolgreich macht,  und wie alle großen Filmkünstler war er immer auch an der Story interessiert. Ich denke, das ist einer der Gründe, warum David Cronenberg ihn so geliebt hat (Anm.: Chris Walas entwarf das Monster „Die Fliege“). Chris war nicht einfach nur da, um zu zeigen, was er kann. Er wollte immer ein Teil der Geschichte sein und den Regisseuren die Werkzeuge an die Hand geben, die sie brauchen, um ihre Vision zum Leben zu erwecken. Das hat mich sehr beeinflusst.

 

Bezüglich der Schauspieler-Zunft würde ich Jeffrey Combs sagen. Ich habe einst diesen kleinen Film (ursprünglich für Lions Gate) „Blackwater Valley Exorcism“ gedreht, und darin gab es eine klitzekleine Rolle - nur einen Cameo-Auftritt sozusagen. Die Verleiher und Finanziers des Films sagten: „Wir möchten, dass Sie Jeffrey Combs dafür casten. Wir wollen, dass er den Redneck Sheriff spielt. "…wohl weil er sonst typischerweise immer einen Wissenschaftler oder Arzt darstellt. Und ich konnte es einfach nicht visualisieren. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Combs so jemanden wie einen Country Sheriff spielen kann. Aber die Projekt-Verantwortlichen waren wirklich hartnäckig und sagten: "Wir lieben ihn einfach, und darüber hinaus ist er sehr beliebt unter Horrorfans.“ Also rief ich meinen Freund Fred Dekker ("Die Nacht der Creeps") an. Ich arbeitete damals mit ihm für das Drehbuch von „House“ zusammen. Fred ist ein guter Freund, und er war mein ehemaliger College-Mitbewohner Ich habe an einer dieser Star Trek-Serien gearbeitet und Jeffrey Combs hatte  in dieser Serie ein paar coole Alien-Charaktere gespielt. Also habe ich Fred gefragt, ob ich Jeffrey als Redneck-Sheriff besetzen soll, weil ich ihn nicht wirklich in dieser Rolle sehen konnte, und Fred sagte: "Ja, er kann es!" Also habe ich es mit ihm versucht…und was soll ich sagen?! Er war fantastisch! Ich mochte seine Art zu spielen. Er ist sehr kreativ, kann gut mit Worten umgehen und hat sich immer etwas Tolles einfallen lassen – z.B. alternative Ideen für einen Dialog. Dann machten wir den nächsten Film für Lionsgate: "Brutal". Das war ein Film über einen Serienkiller, den wir in einem einsamen Tal drehten. Ich hatte speziell für Jeffrey etwas ins Skript geschrieben, damit er dort noch einmal als Sheriff Jimmy auftreten konnte. Und wieder war er einfach großartig! Nachdem wir zwei Filme zusammen gedreht hatten, entstand ein paar Jahre später ein süßer Weihnachtsfilm namens „Elf-Man“ - eine nette kleine Weihnachtskomödie für die ganze Familie, und ich glaube Jeffrey hatte noch nie zuvor in seiner Karriere an einen Familienfilm mitgearbeitet. Er war, wie gesagt, zuvor immer sehr typisiert besetzt worden und ich fand, dass dies eine gute und ungewöhnliche Idee war, Jeffrey die Rolle als Bösewicht in "Elf-Man" auf den Leib zu schreiben. Und wieder war es so, dass er praktisch den ganzen Film stahl. Er ist so unglaublich lustig, und er ist der einzige Schauspieler mit dem ich dreimal zusammengearbeitet habe. Ich liebe es einfach,  mit ihm zu arbeiten. Er ist ein so wahnsinnig talentierter Darsteller. Jeffrey kann einfach alles spielen. Von einer dramatischen Rolle bis hin zum Komiker. Man kann es kaum glauben, welch große schauspielerische Bandbreite er besitzt.

 

Aber ich habe in der Tat mit sehr vielen Schauspielerinnen und Schauspielern zusammengearbeitet und dahingehend auch andere tolle Erfahrungen gemacht. David Carradine in „Kinder des Zorns 5“ war eine großartige Sache. Das lief alles ganz wunderbar mit ihm. Auch Eva Mendes, die ihre allererste Rolle für einen abendfüllenden Spielfilm in „Kinder des Zorns 5“ hatte. Ich hielt sie für ein echtes Talent, aber die traurige Geschichte dahinter war die, das das Studio sie voll auf dem Kieker hatte. Sie wollten sie feuern, ihre Rolle neu besetzen und alle Szenen von ihr neu drehen; doch ich sagte: "Ich denke wirklich, sie ist sehr talentiert." Ich konnte wirklich nicht verstehen, was sie an ihr gefressen hatten. Ich meine, okay, sie war zu dieser Zeit nicht Meryl Streep, aber es war ja nun mal auch ihre erste Rolle, und ich dachte, sie müsse ja halt irgendwo mal anfangen. Ich erinnere mich, als der Film fertig war, sagten alle: „Okay, okay, es war doch nicht so schlimm.“ Der nächste Film, den sie drehte, war ein Projekt gemeinsam mit Denzel Washington, und ich rief in meinem Studio an und sagte: „Erinnert ihr euch an Eva Mendes? Ihr wolltet sie feuern und sie wurde gerade zusammen mit Denzel Washington besetzt.“ Die Antwort war: „Okay, aber es hat halt auch nicht jeder einen guten Geschmack.“ Von da an war das Thema für mich erledigt – lol.

 

MMM: Haben Sie eigentlich jemals Erinnerungsstücke aus den Filmen gesammelt, an denen Sie beteiligt waren? Vielleicht den Azteken-Schädel aus „House 2“, oder ein paar Sachen von den „Gremlins“?

 

EW: Ich wünschte tatsächlich, ich hätte mehr Dinge von den "Gremlins" behalten. Ich habe nicht viel, aber zumindest habe ich tatsächlich noch den angesprochenen Azteken-Schädel aus „House 2“. Es liegt hier als Türstopper in der Ecke – lol. Nein, nur ein Scherz. Es hockt an einem schönen Ort. Bei all den Fantasy-Filmen, die ich gedreht habe, muss ich doch sagen, dass ich nicht so ein riesengroßer Geek bin. Die Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sammeln alle Figuren und Erinnerungsstücke, und sie haben eine echte Leidenschaft dafür, aber ich persönlich habe mich nie so nachhaltig damit beschäftigt. Doch jetzt entdecke  ich manchmal Dinge wie schöne Tassen aus den House-Filmen und all die netten Sachen, die das Studio damals gemacht hat, ein kleines Replikat oder so, und ich denke: Warte! Was ist das? Ich habe das Ding nie am Set gesehen. Hey, ich war schließlich der Regisseur und sie haben mir keines dieser Dinger geschenkt?  - lol. Ich denke, ich war einfach zu beschäftigt damit, die Filme zu drehen. Ich habe nicht auf die anderen kleinen Dinge um mich herum geachtet, aber rückblickend wünschte ich, ich hätte es getan.

 

Übrigens, hier ist noch eine lustige kleine Geschichten über die Herstellung der Ewok-Füße: jedes Mal, wenn ich diese Geschichte anbringe, wird darüber gelacht, weil das einfach so ein herrlich albernes Bild ist, aber jemand, der ein großer Star Wars-Fan war, sagte einmal zu mir: „In DIE RÜCKKEHR DER JEDI RITTER gibt es eine Nahaufnahme von den Ewok-Füßen.“ Und ich sagte: „Wovon redest du?“ Er erwiderte: „Kein Scherz. Es gibt eine Nahaufnahme der Füße in einer Szene, in der Prinzessin Leia im Wald schläft und ein Ewok vorsichtig auf sie zukommt. Es gibt eine Nahaufnahme deiner Arbeit! “- lol

 

MMM: Wären Sie so nett uns zum Schluss noch von Ihren derzeitigen und zukünftigen Projekten zu berichten?

 

EW: Ich habe gerade einen Film fertiggestellt, der jetzt in den USA und in naher Zukunft auch in Deutschland und anderen Ländern vertrieben wird. Er heißt "Reise ins verbotene Tal" und wurde komplett auf dem chinesischen Festland gedreht. Ich habe das Drehbuch mit meinem alten Chef Chris Walas geschrieben, der auch die Kreaturen für diesen Film entworfen hat. Es geht im Grunde genommen um den chinesischen Bigfoot namens YEREN, was übersetzt so viel wie WILDER MANN bedeutet. Wir drehten dort in den entlegenen Bergen Zentral-Chinas, wo diese Kreatur angeblich existiert. Die chinesische Regierung hat wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, und es ist sehr schwierig, sich in diesem Bereich zurechtzufinden. Im Film wird zum Teil Chinesisch gesprochen und teilweise Englisch. Wir haben mit geringem Budget gedreht, aber das Kreaturendesign ist wunderschön und es ist eine tolle Figur. Wir haben es nicht wie bei "Harry und  die Hendersons" gemacht, aber es ist auch nicht beängstigend wie ein Horrorfilm. Es ist eher wie ein Familienabenteuerfilm, und es ist wirklich sehr schön geworden. Der Film ist beim US-amerikanischen Streamingportal „Amazon-Video“ verfügbar, und wir werden ihn jetzt zeitnah auch auf dem internationalen Markt vertreiben.

 

MMM: Mr. Wiley, vielen Dank für Ihre Zeit und dieses wundervolle Interview. Alles Gute für Sie und Ihre Zukunftspläne.

 

Interview © 2019

Hinweis: Unser XXL-Interview mit Ethan Wiley findet ihr ab Dezember 2019 in unserem Buch DIE ALB-TRAUMFABRIK. Bestellbar, überall wo es Bücher gibt.