Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Fabio Frizzi

 

Der in Bologna geborene (Film)komponist Fabio Frizzi genießt seit den 70-er Jahren Kultstatus unter Genrefans. Gerade die Zusammenarbeit mit Lucio Fulci, dem Surreal-Gore-Meister des italienischen Horrorfilms, beflügelte ihn zu musikalisch-epischen Höchstleistungen. 

 

Mit großartigen Scores wie beispielsweise für "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" (1979), "Ein Zombie hing am Glockenseil" (1980) oder "Über dem Jenseits" (1981) schuf Frizzi Werke für die Ewigkeit, die in Symbiose mit den bizarren visuellen Ideen Fulcis in die FilmGeschichte eingehen sollten.

 

"MMM" traf Fabio Frizzi für eine leckere 5-Minuten-Terrine, um mit ihm über seine Anfänge im Filmbusiness und seine Zukunftspläne zu sprechen.

 

 

MMM: Maestro Frizzi, vielen Dank für Ihre Zeit. Ich möchte mit der Frage nach Ihrem allerersten Kinobesuch als Kind beginnen. Welche Erinnerungen haben sie daran? Was haben sie geschaut?

 

FF: Die ersten Erinnerungen, die mir in den Sinn kommen, sind zwei Filme, die ich gesehen habe, als ich 4 Jahre alt war. Der erste war ein Abenteuerfilm, "I quattro del getto tonante". Die "IMDB" gibt dazu sinngemäß folgende Inhaltsangabe: "Einige Piloten im Nachkriegs-Italien tun sich zusammen, um aus ihrer leidenschaft und Hingabe die Frecce Tricolori zu gründen, das akrobatische Geschwader der italienischen Luftwaffe." Das hat mich schon sehr beeindruckt, und nach diesem Erlebnis spielte ich sogar mit den Gedanken, später einmal pilot werden zu wollen. Der andere Film war ein amerikanischer Western, einer von denen mit Apachen. Ich erinnere mich in diesem Fall zwar nicht an den Titel, aber auch diese Geschichte zog mich in ihren Bann und ich weiß noch, dass ich mich einige Monate später, am Karneval, als Indianerhäuptling verkleidete.

 

MMM: Erzählen Sie uns doch bitte wie es dazu kam, Musik und vor allem Filmmusik zu komponieren. Wie hat das alles angefangen? Gab es einen besonderen Moment, der sie dazu bewegte, beruflich diese Richtung einzuschlagen?

 

FF: Ich wurde in eine Familie hineingeboren, die das Kino liebte. Mein Vater Fulvio war ein wichtiger und großer filmvertriebler. Schon als Kind habe ich den Duft von Zelluloid geatmet und war fasziniert (nicht nur) von der Musik des italienischen Kinos. Im Sommer 1971 hatte ich gemeinsam mit meinen Bands bereits alle möglichen Arten von Musik gespielt und bekam zu dieser Zeit (dank Sergio Leone) die Chance, an den Aufnahmen der Musik für "Todesmelodie" von Ennio Morricone mitzuwirken. Das war wie ein Kurzschluss, denn an diesem Tag habe ich erkannt, was meine Arbeit sein sollte. Drei Jahre später unterschrieb ich dann meinen ersten Vertrag, um Filmmusik zu komponieren.

 

MMM: Die Chemie in der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Lucio Fulci brachte episches hervor, beeinflusste das europäische Genre-Kino der 70-er und 80-er Jahre nachhaltig und generierte eine vielzahl von Fans auf der ganzen Welt. Wie sind Sie und Fulci eigentlich zusammengekommen?

 

FF: Tja, wie es halt so oft im leben ist: Dinge passieren zufällig. Der Verlag, mit dem ich zusammenarbeitete, erzählte mir, dass es für meine beiden damaligen Partner Franco Bixio, Vince Tempera und für mich die Möglichkeit gebe, die Musik für den Westernfilm "Verdammt zu leben – verdammt zu sterben" zu komponieren und einzuspielen. Wir trafen Fulci in einem Vorführraum während eines Postproduktions-Workshops. Er war nett und hatte klare Ideen - wie immer. Er liebte unsere Arbeit und von da an begannen wir unsere Zusammenarbeit, zuerst mit meinem Trio, dann ab 1979 mit mir allein. 15 Jahre lang arbeiteten wir zusammen. Lucio war wahrscheinlich die Person, die mir am meisten über die Beziehung zwischen Musik und Film beigebracht hat. Und für ihn schrieb ich einige meiner besten Themen.

 

 

MMM: Regisseur Tom Holland hat uns einmal erzählt, dass er all seine Werke gleich liebt, weil sie alle "seine Kinder" sind. Wie stehen Sie dazu? Haben Sie ein persönliches Lieblingsmusikprojekt, welches einen besonderen Platz in Ihrem Herzen hat? Und wenn ja, warum?

 

FF: Ich stimme dieser Aussage voll und ganz zu. Jedes Projekt lebt quasi mit dir für eine (mehr oder weniger) lange Zeit. Es begleitet dich beim Mittagessen, Abendessen und sogar oft, während du schläfst. Die Fertigstellung eines kompletten Filmscores ist mit einer Schwangerschaft zu vergleichen. Es wächst und gedeiht wie ein Kind...

 

MMM: Sie haben jüngst den Score für den neuen "Puppet Master"-Film komponiert. Was können ihre Fans von Ihnen in Zukunft erwarten? Worauf können wir uns freuen?

 

FF: "Puppet Master: The Littlest Reich" war eine wundervolle Erfahrung. Der Film befindet sich derzeit in der Postproduktion. Für die Zukunft? Konzerte, Aufnahmen für ein schönes Projekt, welches ich noch vor dem Sommer vorbereite, eine großartige Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Label "Cadabra Records", welches neue Früchte tragen wird, usw. Kurz gesagt, wie wir unter Freunden zu sagen pflegen: "man sieht sich..."

 

MMM: man sieht sich, Fabio Frizzi! Wir freuen uns auf alles, was noch kommt. Alles Gute für die Zukunft und noch einmal besten Dank für das Interview!

 

Aus dem englischen Übersetzt von mumien-monster-mutationen.de, Copyright 2018: mumien-monster-mutationen.de