Die 5-Minuten-Terrine – Ein Kurzinterview mit Fred Olen Ray

 

 Wer bisher 152 Filme gedreht hat, ist nicht nur ein Fließbandregisseur, sondern auch einer, der die Jahrzehnte im Film- bzw. Videobusiness gut verbracht hat.

 

Fred Olen Ray, der uns solch wunderbare Werke wie „Biohazard“ (1985), „Deep Space“ (1988), „Alienator – der Vollstrecker aus dem All“ (1990), „Mit Kettensägen spaßt man nicht“ (1988) oder „Evil Toons“ (1992) näher gebracht hat, ist ein ganz umtriebiger Regisseur, der bis heute unentwegt dreht.

 

Der in Florida aufgewachsene Ray hat mittlerweile 30 verschiedene Pseudonyme unter denen er dreht oder schreibt. Sogar eine eigene Amateur-Wrestling-Liga nennt er sein Eigen und geht selbst als "Fabulous" Freddie Valentine in den Ring.

 

 Balthasar hatte die große Ehre und Möglichkeit mit Olen Ray ein paar Worte zu wechseln.

 

 

 MMM: Als allererstes möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Ich glaube, dass Sie eine große Fangemeinde hier in Deutschland haben. Besonders wegen ihrer Filme „Mit Kettensägen spaßt man nicht“ oder „Deep Space“. Viele von unseren Lesern kennen wahrscheinlich ihren Namen ziemlich gut. Und wenn wir dann auch noch aufzählen in wie vielen Filmen und TV-Serien Sie involviert waren (und sind), kennt man sie wahrscheinlich noch umso mehr. Seien Sie bitte so nett und erzählen Sie uns etwas über ihre Karriere bis zum heutigen Tag.

 

 Olen Ray: Als ich jung war wollte ich schon immer Make-Up Künstler werden und habe in diesem Bereich auch ein paar Jobs gehabt. Dann fand ich aber heraus, dass Make-Up Künstler ziemlich lange auf ihren nächsten Job warten müssen. Und so entschloss ich mich zu einer anderen Arbeit, damit ich diese geldlose Zeit überbrücken konnte. Und das war die des Regisseurs. Und bislang zahlte sich das gut aus.

 

MMM: Warum wollten Sie eigentlich in die Filmbranche? Gab es ein besonderes Erlebnis oder Film, nachdem sie zu sich sagten: „Alles klar. Das will ich auch machen.” Haben Sie persönliche Idole im Filmgeschäft?  

 

Olen Ray:  Ich verehre noch heute Roger Corman. Für mich ist er die beste Kombination aus Geschäft und Kunst. Etwas was ich auch immer wollte. Ich mag auch Russ Meyer. Er, und andere auch, waren und sind Einzelgänger. Das finde ich faszinierend. Jeder Idiot kann einen aalglatten Film drehen, wenn man ihm zehn Millionen Dollar gibt. Aber aus Nichts etwas zu machen…das ist die Herausforderung.

 

 MMM:  Einer meiner Lieblingsfilme von Ihnen ist “Deep Space”. Ich mochte besonders Bo Svenson und Charles Napier in dem Film. Waren diese beiden Schauspieler schwierig? Wie lange haben sie für den Dreh gebraucht? 

 

Olen Ray: Charlie Napier war einfach zu handhaben. Ein umgänglicher Typ. Bo Svenson hingegen weniger. Aber beide waren gute Schauspieler. Der Film kostete 1,7 Millionen Dollar und ich habe ihn in 7 Wochen abgedreht - meistens nachts. Es waren bis dato die längsten Dreharbeiten, aber sie haben sich gelohnt. Ich wünschte „MGM“ würde den Film endlich auf Blu-Ray rausbringen. Aber der Streifen ist ein „No Go“ für das Studio.

 

 

 

MMM: Soweit ich richtig informiert bin, haben sie bisher in 152 Filmen und Episoden von TV-Serien Regie geführt. Sie arbeiten wie eine Maschine. Allerdings „fühlen“ viele ihrer Kritiker Ihre Filme nicht. Sie sind keine Fans wie wir. Sie machen ja Filme für die Fans und nicht für Kritiker. Ärgern Sie sich über diese Kritiken?

 

Olen Ray Kommt drauf an wer kritisiert. Wenn es eine respektable Plattform ist wie die „Variety“ oder „The Hollywood Reporter“, ja dann kann ich mich drüber ärgern. Aber das ist immer nur eine Meinung von vielen. Es geht ja darum, ob du eine Meinung respektvoll behandelst oder nicht. Ich versuche die Leute glücklich zu machen, die mich für den Film bezahlen, damit andere ihn kaufen können. Außerdem versuche ich mich selber mit dem Endergebnis zufrieden zu stellen und hoffe dem Publikum gefällt es auch.  

 

MMM: Wo sehen Sie das Problem der modernen amerikanischen Filmindustrie bezüglich von Independent-Produktionen?

 

Olen Ray: Es werden einfach zu viele Filme gemacht. Und die Kinos werden heutzutage von großen Ketten und Firmen kontrolliert. Es gibt zu wenig Platz für kleinere Independentfilme. Keiner will sie haben. Ich bin nach wie vor traurig, dass die Drive-In-Kinos abgeschafft wurden. Sie waren perfekt für die Art der Filme die ich gerne sehe.

 

 

 MMM: Animatronik oder CGI? Was mögen Sie mehr? 

 

 Olen Ray: Ich bevorzuge immer etwas, was ich auch vor die Kamera stellen kann. Wenn man nach Drehende alles in die Hand von Computerspezialisten legt, wer ist denn dann noch der Regisseur? Nicht man selber, sondern irgendein Typ.

 

 MMM: Laufen gerade irgendwelche neuen Projekte, auf die wir uns freuen können?

 

 Olen Ray: Ich habe grade die Dreharbeiten zu „A Honeymoon to die for“ abgeschlossen und entwickle grad einen Geisterfilm namens „The Water´s Edge“. Dieser spielt in einen alten Leuchtturm in New England. „A Honeymoon to die for“, auch bekannt als „Deadly Vows“, soll bei euch in Deutschland bald im TV zu sehen sein, soweit ich weiß.

 

MMM: Und die letzte und beste Frage zum Schluss: Welcher Ihre Filme ist ihr Liebster und warum?

 

 Olen Ray: Da hab ich keinen speziellen im Kopf. Ich mag  „Die Vergelter“ mit David Carradine und Lee van Cleef und „The Shooter – Der Scharfschütze“ sehr gerne. Noch mehr mag ich „Supershark“ und „After Midnight“.

 

 MMM: Lieber Herr Olen Ray. Wir sagen monströsen Dank für das Interview und wünschen alles Gute für ihren weiteren unbeirrbaren Weg.

 

 

Aus dem englischen übersetzt von mumien-monster-mutationen.de, Copyright 2017: mumien-monster-mutationen.de,