Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Jennifer Rubin

 

Die im April 1962 in Phoenix, Arizona geborene Jennifer Rubin war in den 80-er Jahren ein gefragtes internationales Topmodel. 1984 erhielt sie den Titel "Ford International Model of the Year" und war unter anderem für die weltweit bekannte Designlinie von "Calvin Klein" tätig.

 

Drei Jahre nach dieser Auszeichnung beschloss sie, in die Filmbranche einzusteigen. Mit ihrer starken Rolle als drogensüchtiger Twen TARYN in "Nightmare 3: Freddy Krueger lebt" gelang ihr ein bravouröser Einstieg in Hollywood. Es folgten weitere Thriller, Sci-Fi- und Horrorfilme, wie z.B. "Vision der Dunkelheit" (1988), "Der Preis der Schönheit" (1991), "Das Biest" (1993) oder "Screamers – Tödliche Schreie" (1995), aber auch in anderen Genres, wie z.B. in Oliver Stones Biopic "The Doors" konnte sie bei Kritik und Publikum punkten. 

 

Wir freuen uns sehr, mit der charmanten, blitzgescheiten und wundervollen Ms. Rubin heute einige Worte wechseln zu dürfen.

 

 

MMM: Ms. Rubin, es ist uns eine Freude, Sie heute hier bei uns in der "5-Minuten-Terrine" begrüßen zu dürfen. Wie verliefen ihre allerersten Berührungspunkte mit den Medien "TV" und "Kino"? Erzählen Sie uns bitte davon.

 

JR: Also Fernsehen war die erste Erfahrung und das Medium Film die Zweite. Als Kind schaute ich gerne fern und ich weiß noch genau, wie ich an einem Wettbewerb der "Wallace and Ladmo Show" teilnahm. Das war eine Kinderfernsehshow auf einem Lokalsender in Arizona, meinem Heimatstaat in den USA. Ich trat in der Kategorie "Witze erzählen" an, und was soll ich sagen?! Mein Witz gewann! Meine Großmutter, Margaret LaBoe, hatte mich seiner Zeit ins Studio gefahren, um in der Show aufzutreten und einen von diesen "Ladmo Bags" abzustauben - eine Tüte voll mit mit Leckereien, einem Drachen, Süßigkeiten, Malbüchern, Spielen, Buntstiften etc. Während ich mich mit meinem Preis amüsierte, sah ich mich selbst auf dem Fernsehmonitor und fing vor lauter Aufregung an zu zappeln, als mir klar wurde, dass tatsächlich ich es war, die da zu sehen war. Ich war vielleicht 7 Jahre alt. Meine Oma flüsterte mir ins Ohr: "Pass gut auf, und sieh genau hin!", und ich war absolut fasziniert davon, mich selbst auf dem Bildschirm zu sehen. Und lustig ist auch, dass einer meiner Freunde, nämlich Alice Cooper, als kleiner Knirps in genau dieser Show ebenfalls einen Preis gewann. Steven Spielberg besitzt die Rechte an der besagten Show und Alice und ich hoffen, dass wir irgendwann noch einmal eine Aufzeichnung davon zu Gesicht bekommen. Fernsehen fand ich immer toll! 

 

Der erste Kinofilm, an den ich erinnere, war ein Disney-Film in einem Drive-In-Theater, und es war "BAMBI". Ich war am Boden zerstört, weil die Mutter von Bambi beim unbeschwerten umherspringen von Jägern erschossen wurde...und starb! Oh Mann, ich glaube wirklich, ich habe mich nie davon erholt.

 

MMM: Neben Ihrer Model-Karriere haben Sie sich 1987 dazu entschieden, Schauspielerin zu werden, und in Ihrer ersten Rolle haben Sie dann direkt einen der interessantesten Charaktere in einem der besten Horrorfilme gespielt, die je gedreht wurden: die großartige, wunderschöne und starke Taryn im dritten Teil von „A Nightmare on Elm Street“. Wie ist es eigentlich dazu gekommen und welches Fazit würden Sie aus Ihrer zweiten Karriere als Schauspielerin ziehen?

 

JR: Ich dachte, es wäre ein intelligenter Schachzug, vom Modeln zur Schauspielerei überzugehen, um meine Karriere zu verlängern, aber im Nachhinein würde ich den gleichen Schritt nicht noch einmal machen. Ich bin sehr gerne Model, aber die Welt der Schauspielerei ist völlig anders und sehr komplex. Als junges Mädchen bei der Agentur "Wilhelmina" zu modeln war eine sehr behütete Zeit. Ich fühlte mich dort irgendwie beschützt, und ich hatte ein sehr stabiles Leben. Die Schauspielerei war für mich sehr verwirrend und ich hatte auch diesbezüglich keinen besonders guten Wegweiser. In gewisser Weise bin ich eher so der "Blaumanntyp", der von Job zu Job gehen möchte - ähnlich wie bei Theaterarrangements. Das kann man vielleicht so machen , wenn man in der Independent-Filmszene beheimatet ist, jedoch nicht, wenn man die Branche durch das große "Business-Objektiv" betrachtet. Das Geschäft veränderte sich sehr schnell und in einer Weise, die ich nicht verstehen konnte. Allerdings kann ich mit Fug und Recht sagen: ich habe mein Bestes gegeben. Ich habe mit den coolsten Schauspielern zusammengearbeitet, und ich bin froh über die Erfahrungen, die ich sammeln konnte. Ich denke, die Qualität meiner Arbeit spiegelt sich letzten Endes auch in der Quantität wieder. Ich habe stets immer weiter versucht, mein schauspielerisches Niveau auszubauen, bin aber nie so wirklich auf einen grünen Zweig gekommen.

 

Jennifer Rubin und Peter Weller in "Screamers - tödliche Schreie" (1995)

 

MMM: Nach Ihrer Begegnung mit Freddy folgten Horror- und Sci-Fi-Filme wie "VISION DER DUNKELHEIT" oder "SCREAMERS". Sie haben viele verschiedene Charaktere gespielt und mit großartigen Namen wie Oliver Stone, Paul Lynch, Val Kilmer, Alicia Silverstone, Eric Roberts, Peter Weller oder Don Johnson gearbeitet. Können Sie uns sagen, welcher Ihrer Filme Ihnen persönlich am meisten Spaß gemacht haben? Welches Projekt hat einen besonderen Platz in Ihrem Herzen und warum?

 

JR: Oliver Stone ist mein Favorit, gemeinsam mit Martin Scorsese. Oliver ist ein besonderer Mensch und sehr nett, sehr intelligent und ein großartiger Familienvater. Er lud mich ein, beim Casting für "The Doors" Drehbuchdialoge mit den männlichen Kollegen einzusprechen, die sich für die Rolle von Jim Morrison vorgestellt hatten. Am Ende des Tages fragte er mich, welche Rolle ich gerne in dem Film besetzen wollte. Zur Auswahl standen Edie Sedwick oder eine Stewardess...ich habe mich für Edie entschieden. Ich habe zwei Wochen an dem Film gearbeitet und Oliver in der Zeit sehr gut kennengelernt. Zum Schluß der Dreharbeiten hatte er vierzig Stunden Material zusammen und ich bat ihn, mich in der editierten Fassung zu behalten, denn das "Interview-Magazin" hatte mich schon fest in einer ihrer Ausgaben als Story eingeplant. Gott sei Dank schnippelte er mich nicht raus, und meine Rolle blieb im fertigen Film.

 

MMM: Der einzige Film, den Sie jemals produzierten, war der hochgelobte Thriller "ROAD KILL", in dem Sie auch eine der Hauptrollen spielten. Wie ist es zu der Symbiose Produzentin/Filmrolle gekommen?

 

JR: Diese Kombi entstand einfach daraus, dass ich als Co-Produzentin mit den ausführenden Produzenten zusammen bestimmen konnte, wer für welche Rolle gecastet werden sollte. Also dachte ich mir, ich übernehme die Rolle der Killerin "BLUE". 

 

Jennifer Rubin als Edie in Oliver Stones "The Doors" (1991)

 

MMM: Ms. Rubin, was möchten Sie noch gerne in Richtung Ihrer deutschen Fans loswerden? Verraten Sie uns ein wenig über Ihre Zukunftspläne?

 

JR: Ganz ehrlich: ich liebe Deutschland. Ich habe deutsche und französische wurzeln und habe Ende der 80-er Jahre in Deutschland einige Model-Jobs inne gehabt. Ich mag die Sprache, ich mag das Land.

 

Ich bin jetzt Schriftstellerin, ich habe zwei qualitativ wirklich hochwertige Drehbücher fertiggestellt und arbeite derzeit an einer Gruselgeschichte. Und ich werde im nächsten Jahr meine Biografie schreiben. Ich denke, ich bin definitiv einfühlsam, sensibel und intelligent genug für dieses Vorhaben. das Schreiben liegt mir irgendwie besser als alles andere. 

 

Ich freue mich über euer Interesse und wünsche euch und euren Lesern nur das Beste! Legt ein gutes Wort für mich bei euren Horror-Cons ein, denn ich würde euch herzlich gerne mal wieder besuchen :)