Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Joel Polis

 

Schauspieler und Theaterregisseur Joel Polis war ursprünglich ein begnadeter Turner, doch am Ende seines Erstsemesterjahres an der "University of Southern California" öffnete ihm eine Handgelenksverletzung die Tür zum Theater, und nach einem kurzen Aufenthalt im Zirkus besiegelte eine Einladung, die Yale-Drama-Schule zu besuchen, sein Schicksal. Polis widmete sich von da an ganz der Schauspielerei und Theaterkunst und ist seitdem in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen aufgetreten.

 

Besonders interessant für uns ist natürlich die Tatsache, dass Polis 1982 sein Kinofilmdebüt in John Carpenters Monsterklassiker "The Thing" gab.

 

 

MMM: Mr. Polis, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für Ihre deutschen Fans nehmen und uns ein paar Fragen beantworten. Die Liebe zum Film entdeckt man häufig schon in jungen Jahren. Wie war bei Ihnen? Können Sie sich an Ihre ersten Film- und Kinoerlebnisse erinnern?

 

JP: Erst einmal einen Dank an euch für die Kontaktaufnahme und für das Interesse an meiner Arbeit und an John Carpenters "The Thing". 

 

Zur ersten Frage: das Medium Film war das am leichtesten zugängliche Unterhaltungsmittel in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Meine Eltern waren Twens während der Weltwirtschaftskrise und waren der geheimnisvollen und verführerischen Pracht der hollywoodschen Filmindustrie in den 30-er und 40-er Jahren genauso verfallen, wie der Rest der Welt. Eine meiner ersten Erinnerungen an den Kinobesuch war eine Geburtstagsfeier für meinen Zwillingsbruder und mich. Wir waren 8 oder 9 Jahre alt und meine Mutter brachte uns an einem Samstagnachmittag in das örtliche Kino, um "Invasion vom Mars" zu sehen. Dieser gruselige, fantasievolle Thriller hat mich sehr beeindruckt und eine lebenslange Liebesaffäre mit Science-Fiction- und Monsterfilmen losgetreten. Sie können sich sicher vorstellen, wie aufgeregt ich war, als ich 20 Jahre später zu einem Vorsprechen für das Remake einer meiner Lieblingsfilme in diesem Genre ging: "The Thing"!

 

Aber die zwei Filme, die meine Phantasie als Knirps am meisten beflügelt haben (und vielleicht dazu geführt haben, dass ich Schauspieler wurde), waren "Spartacus", Stanley Kubricks leidenschaftliche Geschichte einer historischen Sklavenrevolte im alten Rom, und "Lawrence von Arabien". David Leans Bericht über die arabische Revolte und dem von T.E. Lawrence geführten Guerillakrieg ist übrigens bis heute mein Lieblingsfilm. Ich denke, die Heldentaten, die Romantik und die Leidenschaft dieser Geschichten zu sehen, öffnete meine jungen Augen für die Geschichte und die Möglichkeit eines aufregenden Lebens in einer Welt jenseits meines eingeschränkten Provinz-Daseins in Philadelphia, wo ich aufgewachsen bin.

 

MMM: Seit vielen Jahren geben Sie professionelles Coaching für Schauspieler. Können Sie uns erzählen, wie und warum es dazu kam?

 

JP: Obwohl ich einige Jahre lang Schauspielerei unterrichtet habe, gebe ich aktuell keinen Unterricht mehr. Nicht, dass ich in Zukunft nicht unterrichten werde. Es ist nur so, dass es in Los Angeles so viele Schauspielschulen gibt, dass der Wettbewerb sehr hart ist und ich mich nicht mit all den Dingen beschäftigen will, die erforderlich sind, um Studenten zu halten und Neue zu rekrutieren. Doch sehe ich auch den Bedarf an erfahrenen und ausgebildeten Lehrern, und wenn das Timing stimmt, werde ich zurück in diese Arena springen.

 

 

MMM: "THE THING" ist ein Kult-Klassiker und viele Fans sind der Meinung, dass dieses Remake besser ist als das Original, was sehr selten ist. Natürlich wollen wir alle wissen, wie die Arbeit mit John Carpenter war. Können Sie uns ein paar persönliche Eindrücke von diesem Projekt geben?

 

JP: Nach meinem Vorsprechen für "The Thing" war ich überzeugt, dass ich es vergeigt hatte. Ich ging durch den New Yorker Central Park und verfluchte mich dafür. Doch als sich dann herausstellte, dass ich es tatsächlich geschafft hatte, die Rolle zu ergattern, habe ich im wahrsten Sinne des Wortes vor Freude Purzelbäume auf der Straße geschlagen. Schließlich hatte ich als Kind reichlich Respekt vor der Howard Hawkes-Version aus dem Jahr 1951. Früher lief dieser Klassiker regelmäßig ein oder zwei mal im Jahr nachmittags, auf den drei Sendern, die damals zur Verfügung standen.

 

Unsere Drehbuch-Version von Bill Lancaster und die Regie von John Carpenter basierten auf der ursprünglichen Kurzgeschichte "Who goes there?" von John W. Campbell Jr ., aus dem Jahre 1939. Der Film orientiert sich inhaltlich stark an der ursprünglichen Geschichte und war maßgeschneidert für einen psychologischen Horrorthriller.

 

"The Thing" war mein erster Film und er ist und bleibt einfach mein Favorit. Ich bin alles andere als ein Stubenhocker, also war die Reise nach Alaska, um dort Zeit auf einem Gletscher zu verbringen, einfach himmlisch für mich. Die 10 Sommerwochen, in denen wir in den Universal Studios gedreht haben, waren wie ein Crash-Kurs in Sachen "Arbeiten vor der Kamera" und "Filmbusiness". John war ein lockerer Typ und es machte Spaß, mit ihm zu arbeiten. Er verwendete viele unserer Vorschläge bezüglich Charakterzeichnung und Dialoge, und er arbeitete bis zum letzten Drehtag an der Optimierung des Drehbuchs. Die meisten Schauspieler in dem Film waren (und sind) Theaterschauspieler, also hatten wir alle diese gemeinsame Erfahrung, auf die wir zurückgreifen konnten. Und John gab uns zwei Wochen Zeit, die Szenen zu proben, bevor wir vor die Kameras traten, weil das Drehbuch sich so wunderbar für diese Art Ensemblearbeit eignete.

 

Ich habe mal gehört, dass er "The Thing" für seine beste Arbeit hält. Der Film war innovativ, gewagt und intensiv. Ich bin sehr stolz, ein Teil davon gewesen zu sein und wenn ich an Sci-Fi-Conventions teilnehme (wir haben vielleicht sogar bald eine in Deutschland), ist es stets ein warmherziges und freudiges Wiedersehen mit den Darstellern, die dort auftauchen.

 

 

MMM: Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern Sie arbeiten auch als Regisseur und Produzent am Theater. Wenn Sie die Chance hätten, einen Film mit absoluter Kreativ- und Budgetfreiheit zu drehen, worum würde es in der Geschichte gehen, und wen würden Sie dafür besetzen?

 

JP: Obwohl ich am Theater Regie geführt habe, habe ich nie einen Film gedreht. Und angesichts meines technischen Sachverstandes, der langen Arbeitszeiten und der Verantwortung für solche Projekte, bin ich auch nicht davon überzeugt, dass ich dies jemals versuchen möchte. Ich erinnere mich, dass ich in einer Mini-Serie mit Eric Roberts zusammen gespielt habe und wir vorher zusammenkamen, um zu proben. Er gab mir während der Probe eine aufschlussreiche Richtung, und ich sagte ihm, dass er so talentiert sei, dass er doch mal hinter die Kamera treten und Filme drehen sollte. Eric sagte zu mir: "Oh nein. Ich habe schon genug Probleme auf mich selbst aufzupassen. Ich muss nicht der "Big Daddy" für eine ganze Besetzung und Crew sein!" Damals lachte ich darüber, aber was er sagte, bringt es ziemlich genau auf den Punkt. Die Verantwortung ist riesig. Und an diesem Punkt in meinem Leben ist es eher das Spiel eines jüngeren Mannes.

 

MMM: Mr. Polis, können Sie uns ein wenig über Ihre Zukunftspläne verraten?

 

JP: Ich wünschte, ich hätte in meiner unmittelbaren Zukunft ein großes, interessantes Projekt, von dem ich euch erzählen könnte. Die Wahrheit ist jedoch, dass ich ein "Schauspiel-Wanderbursche" bin. Wenn Jobs kommen, nehme ich sie. Mein letzter Auftritt war das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Stück "Disgraced", welches inhaltlich frontal den amerikanischen Rassismus und die Islamophobie konfrontierte. Es war wunderschön geschrieben und eine anspruchsvolle Herausforderung für das Publikum. Und es hat mich persönlich dazu gebracht, in meine Seele hineinzuhorchen - so, wie ich es am liebsten mag.

 

Ich habe in den letzten zwei Jahren eine Pause vom Geschäft gemacht und frage mich nun, was ich jetzt eigentlich wirklich machen möchte. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher. Aber ist das nicht Teil des Abenteuers?

 

MMM: Mr. Polis, es war uns eine Ehre dieses tolle Gespräch mit Ihnen führen zu dürfen. Alles Gute für Sie und Ihre Zukunft.

 

JP: Danke für eure Fragen, alles Gute, und viele Grüße auch an eure Leser und Follower.

 

aus dem englischen übersetzt von: mumien-monster-mutationen.de, copyright 2018: mumien-monster-mutationen.de