Die 5 Minuten-Terrine - ein Kurzinterview mit Michael Miner

 

Ohne seine Ideen wäre die Filmwelt nicht dieselbe, wie wir sie kennen und lieben. Der mehrfach preisgekrönte Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Michael Miner zeichnet sich als Co-Autor für den legendären „Robocop“ (USA, 1987) verantwortlich.  Auch an den Nachfolgern (Teil 2 und 3, so wie der Serie) wirkte er mit. Viele weitere interessante Projekte (wie z.B. „Anacondas - Die Jagd nach der Blut-Orchidee“) gehen auf seine Kappe. 

 

Mit „Killer Kid“ gab er 1989 nach seiner Abschlussarbeit an der Universität von Los Angeles sein Regiedebüt bezüglich seines ersten abendfüllenden Spielfilms. Seither hat der passionierte Fotograf u.a. für Oliver Stone, Sylvester Stallone und Michael Douglas gearbeitet. Ein echtes Allroundtalent.

 

 

MMM: Mr. Miner, erst einmal vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Sie haben uns viele schöne Filmstunden beschert, doch können sie sich noch daran erinnern, wann und wo SIE zum allerersten mal als Kind mit dem Kino in Berührung kamen?

 

M. Miner: Gute Frage. Bevor ich seiner Zeit an die Universität kam, war ich ein typischer Konsument von Hollywood-Produktionen. Und das lange bevor die unabhängigen Filmemacher der 1970er Jahre Hollywood revolutionierten. Als Student leitete ich einen Filmverein und zwar genau zu der Zeit, als "JANUS FILMS" die Werke von Bergman, Fellini, Truffaut, Polanski, usw. auf den Markt brachte - alle europäischen Regie-Meister. Das war es, was mich am Film begeisterte. Der Surrealismus, der Realismus, die Existenzphilosophie. Das waren allesamt solch unglaublich revolutionäre Erkundungen. Ich war von diesem Moment an völlig süchtig nach dem Erzählen von Geschichten.

 

MMM: Sie sind Co-Autor des Kultfilmes „Robocop“ von Paul Verhoeven. Diese böse Zukunftssatire ist nicht gerade zimperlich, was die Gewaltdarstellung anbelangt. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, Hollywood war experimenteller, wilder & roher in den 1970-ern und 1980-ern und dass heutzutage vieles nur noch im PG-13-Weichspülprogamm läuft.  Wie ist Ihre Meinung dazu?

 

M. Miner: Ich stimme zu. Es gab weniger Erfolgsdruck seitens der Investoren und Produzenten, somit also mehr Freiheit. Auch die arbeit bei "ORION" (das Unternehmen, welches "ROBOCOP" finanzierte) basierte auf dem etwas "entspannterem" United Artists-Modell, was die Entwicklung von Ideen anbelangt. "Orion" hatte einen verhältnismäßig kleinen Stab an Mitarbeitern. Sie liessen uns (Ed Neumeier, Paul Verhoeven, Jon Davison und mich) weitere Entwürfe des Drehbuchs entwickeln. Sie liessen uns freie Hand, den Film so zu machen, wie wir ihn wollten. Das war eine sehr ungewöhnliche Situation, die sich stark auf das fertige Produkt ausgewirkt hat.

 

 

MMM: gab es ihrer meinung nach interessante Skriptideen für „Robocop“, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben?

 

M. Miner: ENGLISCH war Verhoevens zweite Sprache, also hat er immer mit uns über die Bedeutung eines Witzes gesprochen - was war der Subtext einer Szene, etc. Wir hatten sehr viel Glück, dass es über 90% von dem, was wir geschrieben hatten in den fertigen Film geschafft hat. Eine Storyvariante, die Verhoeven mit uns durchgesprochen hat, war die Figur des Murphy als Junggesellen darzustellen. Wir waren dagegen, haben aber trotzdem einen Entwurf geschrieben. Ich habe Paul darauf hingewiesen, dass es mit Sicherheit intensiver rüberkommt, wenn in die tragische Geschichte Murphys auch seine Familie involviert ist. Also war der Junggesellenentwurf ein Fehlschlag, Paul wusste es und wir gingen zurück zu Murphys "verlorener" Familie. Das ist das emotionale Herz des Films, und ich denke, es wäre schmerzlich vermisst worden, wenn wir in eine andere Richtung gegangen wären. Ich kann mich jedoch an keine anderen "großen" Ideen erinnern, die weggelassen wurden.

 

MMM: Sie sind ein begnadeter Fotograf. Was berührt sie persönlich am meisten bei der Macht der Bilder?

 

M. Miner: Meine großformatigen Landschaftsbilder (vergrößert im "nassen" Prozess, bekannt durch Ansel Adams) haben keine Tonspur, keine Schauspieler und keine Musik, die ihnen helfen, eine Geschichte zu erzählen. Sie müssen künstlerisch die Zeit allein damit überdauern, in dem sie zeigen, was innerhalb eines Rahmens zu sehen ist. Ein Einzelbild hat es wahrlich nicht leicht, seine Geschichte zu erzählen. Im Zeitalter von Selfies und iPhones haben die meisten Leute einfach keine Vorstellung davon, wie schwierig es tatsächlich ist, ein im wahrsten Sinne des Wortes Kunst-Bild zu erschaffen, für welches Sammler u.U. tausende von Dollar bezahlen. Es hat über 10 Jahre gedauert bis sich meine zweite Karriere dahingehend erfolgreich etablieren konnte. Hilfreich hierbei ist natürlich, dass ich den Beruf des Kameramanns erlernt habe und nach meinem Abschluss in den 1980-ern viele Musikvideos gemacht habe.

 

MMM: Ihr hochgelobtes und sehr berührenders Drama „The book of stars" aus dem Jahr 1999 war die bis Dato letzte Regiearbeit bei einem Spielfilm. Gibt es noch ein "Herzensprojekt", bei dem sie erneut in den Regiestuhl steigen würden?

 

M. Miner: Schön, dass ihr "The book of stars" ansprecht. Es war eine großartige Erfahrung und ich bin wirklich sehr stolz auf diesen Film. Ich habe ein Thriller-/Horrorscript über das Thema "Reinkarnation" fertig geschrieben, habe hierfür eine interessierte Produzentin, und wir werden versuchen, das Projekt in 2018 zu finanzieren. Das genannte Thema beschäftigt mich seit über 10 Jahren, und ich habe auch noch einige andere Drehbuchideen diesbezüglich in der Schublade. Die Produzentin hat zwar einen bestimmten Regisseur im Sinn, aber ehrlich gesagt würde ich hierbei am liebsten selber gerne auf dem Regiestuhl sitzen. Wir werden sehen, was es ergibt.

 

MMM: Welche künstlerischen Projekte können wir in naher Zukunft von Ihnen erwarten?

 

M. Miner: Ich skizziere gerade einen Science-Fiction-Roman in meinem Kopf und habe mir dazu bereits auch ein paar Notizen gemacht. Im Groben geht es um eine Zukunft, in der jeder einen bestimmten Algorithmus hat, alle Dinge sind objektiviert, Gott ist eine Kuriosität der Geschichte, Pharma beherrscht das Leben. In diesem Szenario erlangt ein geistig beinträchtigter Arbeiter aus einem Informationsunternehmen durch einen Wissenschaftler, der im späteren Verlauf der Handlung verstirbt, eine hohe Intelligenz und wird zu einer Art Superbegabtem Buddha-Typen. Ich bin von dieser Thematik tatsächlich ein Stück weit eingeschüchtert, werde aber weiter am Ball bleiben und versuchen etwas zu kreieren, was die Leute lesen wollen.

Und übrigens: Demnächst werden Ed Neumeier und ich den ersten Entwurf des nächsten ROBOCOP-Spielfilms bei "MGM" einreichen. Wir arbeiten seit über einem Jahr daran und fühlen uns sehr wohl mit dieser Geschichte und der Welt, die wir dafür geschaffen haben. Ich wünschte, ich könnte mehr Details verraten, aber dies kann leider erst später im Jahr 2018 erfolgen.

 

MMM: Mr. Miner, wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre Zeit und wünschen Ihnen viele weitere Jahre Gesundheit und Erfolg.

 

M. Miner: Danke für die Gelegenheit, meine Gedanken mit euch zu teilen. Auch für euch alles Gute!

 

aus dem englischen übersetzt von: mumien-monster-mutationen.de, copyright 2017: mumien-monster-mutationen.de