Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Ron Bonk 

 

Regisseur, Produzent und Drehbuch-Autor Ron Bonk mischt seit über 25 Jahren (!) die englischsprachige Underground-Filmszene größtenteils im Stil der deutschen Neverhorst-Trash-Klopper aus den 90-ern auf. Mit seinem Label "SRS Cinema" vertreibt er Kleinstproduktionen, die vermutlich selbst bei der C-Schmiede "TROMA" in die Kategorie "Low-Budget-Projekte" einzuordnen wären. 

 

Nun scheint sich der verdiente Erfolg endlich einzustellen, denn u.a. im deutschsprachigen Raum wurde nun endlich auch die aus seiner Feder stammende Extrem-Splatter-Comedygroteske "Night of something strange" veröffentlicht, und auch sein aus der Masse herausragender Sharkploitation-Beitrag "House Shark" wird wohl demnächst in unsere Wohnzimmer schwappen. Ein waschechter Ehrennerd sozusagen. 

 

 

MMM: Mr. Bonk, vielen Dank für die Zeit, die Sie sich für uns nehmen. Wir starten einfach mal mit unserer elementaren Traditionsfrage nach Ihrem allerersten Kinofilm. Können Sie sich an dieses prägende Ereignis noch erinnern? 

 

RB: Ich erinnere mich nicht daran, welcher mein allererster Kinofilm war. ich war wahrscheinlich noch sehr sehr jung und ich vermute, es war irgendein Disney-Streifen. Aber die Kinoerfahrung, die mich seit je her am meisten beeindruckt hat, war "Star Wars". Ich hatte "Der weiße Hai" ein paar Jahre zuvor auf der großen Leinwand gesehen und der hatte ja schon einen enormen Eindruck bei mir hinterlassen. Aber von der Eröffnungsszene des Films, der später als "Episode IV: Eine neue Hoffnung" in die Geschichte eingehen sollte, bis hin zu seinem Abspann, war ich wie an den Kinositz genagelt. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Das war der Moment, als ich mich in das Kino verliebte. 

 

MMM: Erzählen Sie uns doch bitte von der Entstehung des Underground-Labels "SRS CINEMA" und wie Sie überhaupt in die Filmszene geschlittert sind. 

 

RB: Tja, ich wollte einfach nur Filme machen. Aber angesichts der Tatsache, dass all meine Sachen auf analogem Video gedreht wurden, gab es nicht viele Möglichkeiten was die Verbreitungsoptionen betraf. Also wurde dies ein Teil meines Arbeits-Prozesses: Wege zu finden, meine Arbeiten möglichst weit zu verbreiten. Damit war ich in den Anfangsjahren im 1992 herum ziemlich erfolgreich und konnte somit neue Projekte finanzieren. Von da an wurde die ganze Sache immer größer und ist immer noch ein elementarer Teil meines Lebens. Es wäre natürlich wirklich großartig, Vollzeit-Regisseur zu sein, aber immerhin frisst diese ganze Vertriebs-Sparte nicht meine ganze Zeit, und ich habe die Möglichkeit jährlich ein neues Projekt anzugehen. 

 

 

MMM: Die Filme, die Sie produzieren und/oder bei denen Sie Regie führen, sind meistens eine Hommage an die alten Midnight-Movies und Grindhouse-Releases, aber der Unterschied zwischen Ihren Projekten (die ein sehr sehr kleines Budget von ungefähr einer Handvoll Dollar haben) und den meisten anderen Filmen, die versuchen in diese Kerbe zu hauen, ist die Tatsache, das Ihr Publikum wirklich spüren kann, dass Sie diese Art von Filmen wirklich lieben und dass Sie und Ihre Crew einen Heidenspaß daran hatten, sie zu drehen, selbst wenn es eher  "Ernsthaftes Zeug" ist, so wie z.B. der Killer-Flick "Clay" von 2007. Was ist Ihr Geheimnis? Wie bringen Sie diesen speziellen Funken zu den Zuschauern rüber? Wie denken Sie ist es möglich, dass zum Beispiel alleine schon der Trailer von "HOUSE SHARK" lustiger ist als alle Sharknado-Filme zusammen?

 

RB: Hmm, erstens einmal Danke für das Lob und zweitens, ich weiß nicht, ob ich tatsächlich ein Geheimnis habe. Es ist wahr, ich liebe die Filme, die ich huldige. Manchmal kann ich diese Liebe zu der Materie mit einem ordentlichen Drehbuch, durch die Produktion und die gesamte Bearbeitung gut erfassen. Manchmal bricht etwas mitten auf dem Weg zusammen, meistens wegen Budgetmangel, aber manchmal funktioniert es auch trotz der Klarheit einer Vision nicht immer, sobald man die Szenen im Kasten und zusammengeschnitten hat. Es ist immer ein Lernprozess. Aber ich denke, Sie haben es schon ziemlich gut selbst beantwortet - Sie können keinen Tribut zollen, wenn Sie nicht die Filme lieben, auf die Sie sich berufen. Und kombiniert mit der Leidenschaft, Filme zu machen und Geschichten zu erzählen, kommt dann natürlich erst auch ein vernünftiges Endprodukt heraus. 

 

MMM: Ihre Filme kosten in der Regel nur einige tausend Dollar. Da wird wahrscheinlich sogar Lloyd Kaufman neidisch. Was würden Sie uns wohl bescheren, wenn Sie mal auf ein Blockbuster-Budget in Kombination mit völliger kreativer Freiheit zugreifen könnten? 

 

RB: Oh wow, schwierige Frage. Ich habe ehrlich gesagt ein wenig Manschetten vor der Idee, all das Geld zu haben, was mir so vorschwebt und zu all dem Zugang zu bekommen, was ich so für einen "großen" Film bräuchte. Manchmal am Set hilft dir nämlich genau der Mangel an diesen Dingen und bringt dich gezwungenermaßen dazu, innovativ zu sein. Kurzfristige Entscheidungen vor Ort können oft besser sein als das, was man sich im Vorhinein an dieser oder jener Stelle vorgestellt hat. Aber ich glaube nicht, dass man tatsächlich andere Sachen von mir sehen würde. Ich würde weiterhin die Geschichten erzählen, die ich erzählen will, von ernst bis zu verrückt - nur mit besseren Effekten, besseren Produktionsbedingungen und ich wäre, dank einer größeren Crew, in der Lage, mich mehr auf die Richtung des Films und weniger auf Dinge wie Essen für die Besetzung, Verlängerungskabel oder bewegliche Lichtquellen zu konzentrieren - alles in allem wäre es wohl "nur" eine besser realisierte Vision meines Films. 

 

MMM: Was können wir in Zukunft von Ihnen erwarten? Wann gibt es endlich Ihre verrückten Ideen auch im deutschsprachigen Raum zu bewundern? 

 

RB: Nun, ich arbeite derzeit an neuen Ideen und werde wohl zwei Produktionen mit größeren Budgets hintereinander machen. Es sind diesmal ernstere Geschichten, aber sie werden immer noch eine Menge Spaß machen. Sie werden nicht so verrückt oder komödiantisch sein wie "House Shark" oder "She Kills". Normalerweise enthülle ich Infos über anstehende Projekte erst, wenn ich mit der eigentlichen Vorproduktion beginne, also: stay tuned. Ich habe dieses Jahr einen Film namens "Johnny Z" geschrieben und produziert, von dem ich wirklich begeistert bin. Inszeniert wird das Ding von Jonathan Straiton, der "Night of Something Strange" gemacht hat (den ich seiner Zeit ebenfalls geschrieben und produziert habe und der sogar in Deutschland erhältlich ist - yeah!). Soweit es Deutschland betrifft, würde ich gerne sehen, dass "She Kills" dort veröffentlicht wird. Aber es gibt gute Nachrichten: es sieht so aus, als würden wir im Juni 2019 eine Veröffentlichung für "House Shark" in Deutschland hinbekommen. Ich freue mich schon darauf, die Details offiziell bekannt zu geben, wenn es soweit ist :) 

 

MMM: Wir freuen uns schon auf diesen herrlich-schrägen Quatsch, bedanken uns bei Ihnen für Ihre Zeit und wünschen noch viele verrückte und kreative Jahre im Film-Business. 

 

RB: Ich danke euch und hoffe, euch demnächst weitere Neuigkeiten berichten zu können.