Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Ted Nicolaou

 

Ted Nicolaou, der US-amerikanische Filmregisseur und Drehbuchautor begann seine Karriere im Business Mitte der 70-er als "Location Sound Recordist" für Tobe Hoopers Kult-Klassiker "The Texas chainsaw Massacre".

 

Nicolaou ist vor allem für seinen abgedrehten 80-er Jahre Kultstreifen "TerrorVision" bekannt, so wie für die "Subspecies"-Filmreihe, die 1990 begann und mittlerweile insgesamt vier Teile umfasst. Für die Mehrheit seiner Filme verfasste Ted Nicolaou die Drehbücher selbst.

 

 

MMM: Mr. Nicolaou, vorab danken wir Ihnen für die Zeit, die Sie sich für uns nehmen. Erzählen Sie uns doch bitte einmal von ihrem allersersten Kinobesuch.

 

TN: Ich erinnere mich nicht an meinen ersten Kinobesuch, aber ich habe viele schöne Erinnerungen an meine frühen Kinobesuche an sich. Fast jeden Samstagnachmittag in Dallas/Texas nahm mich mein Vater mit zu den Matineen in den örtlichen Kinos - Science-Fiction- und Monsterfilme der 50-er Jahre. So entstand die Liebe, die Sehnsucht und die Ehrfurcht vor diesen Filmen. Mein Vater war ein Freudscher Psychoanalytiker, also war der Film, den wir uns immer wieder ansahen "Forbidden Planet". Freitags gab es "Twilight Zone" im Fernsehen, und die Samstagabende waren für die Horrorfilme der 30-er und 40-er Jahre reserviert.

 

MMM: Wie kamen Sie eigentlich zum Film?

 

TN: Während der High School jobbte ich als Musiker, schrieb Songs und spielte entweder als Solokünstler in Kaffeehäusern oder zusammen mit texanischen Rockbands. Ich hatte auch die 16-mm-Kamera meines Vaters, mit der ich verschiedene Dinge des improvisierten Surrealismus filmte, die meine Freunde und ich im Guerilla-Theater-Stil spielten. Später dann ging ich an die Universität von Austin/Texas, mit der Absicht, Arzt zu werden, zwischendurch weiterhin Musik zu spielen und SchmalFilme zu drehen. In meinem ersten Jahr entschied ich mich dann jedoch dazu, meinen studienFokus zu wechseln und Schriftsteller zu werden. Die Universität hatte erstaunliche Filmprogramme, und eines Nachts, als ich auf LSD war, besuchte mich ein Freund, um Fellinis "Julia und die geister" mit mir zu schauen. Das Produktionsdesign und fantasie des films haben mich sofort in den Bann gezogen und mir die unglaubliche Kraft dieses mediums aufgezeigt. Bald darauf, an einem anderen LSD-Abend, sah ich Bergmans "das siebente siegel", welcher mich mit der einfachen, symbolischen Kraft des Films bekannt machte. Ich erkannte, dass das Medium Film alles enthielt, was in mir kreatives Interesse weckte: Bilder, Musik, Geschichten erzählen - und wechselte in die Filmabteilung, die damals mit 16-mm-Geräten ausgestattet war und von einem brillanten Mann namens Rod Whitaker geleitet wurde, der Romane unter dem Namen "Trevanian" schrieb. Von da an  studierte ich also nun, um ein Regisseur zu werden, und bekam schließlich die Gelegenheit bei "Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre" einen Teil des Tons zu verantworten. nach und nach begannen all meine Freunde von Austin nach Los Angeles zu ziehen, um in der Filmindustrie zu arbeiten. ich schloss mich ihnen schließlich an und hatte schon bald darauf meinen ersten job: Noel Marshalls wahnsinnigen Löwen- und Tigerfilm "ROAR" zu schneiden.

 

 

MMM: Erzählen Sie uns doch bitte ein wenig über die Arbeit an dem wunderbaren 80-er Monsterflick "TerrorVision".

 

TN: Wir drehten in den verlassenen Dino De Laurentiis Studios außerhalb von Rom, die Charles Band für "Empire Pictures" gekauft hatte. Die Bürogebäude waren desolat, die Bühnen waren marode, und es gab keine Klimaanlage...und das in der Sommerhitze. Ich hatte mich einige Monate zuvor in Los Angeles mit dem Szenenbildner Giovanni Natalucci getroffen, um über den möglichen "Look" des Films zu sprechen. im zuge dessen schauten wir uns siedlungen im San Fernando Valley in Los Angeles zusammen an. und als ich dann zum ersten Mal in die fertige Filmkulisse trat, konnte ich mich von der tatsächlichen Extravaganz seiner Vorstellungskraft überzeugen - die Kunst an den Wänden, das Design des Hauses, die Bar, der Whirlpool - das alles erschien mir urkomisch und fern ab von dem, was ich mir vorgestellt hatte. Er hatte einen Weg gefunden, den Surrealismus des Drehbuchs visuell an den Film anzupassen. Das war die erste große Überraschung. Der fantastischste Moment war dann der erste Drehtag mit Gerrit Graham, Mary Woronov, Diane Franklin und Bert Remsen - die musikalische Untermalung ihrer Charaktere und Kostüme, ihre konträren Auftritte, die nicht so recht zum Setting passen wollten - das alles war nicht gerade jedermanns Sache, aber es passte perfekt zur Geschichte. Die größte Freude war, diesen Darstellern, die aus einem Comic entsprungen schienen (darunter Jon Gries, Alejandro Rey, Jennifer Richards und Randi Brooks), dabei zuzusehen, wie sie ihre Dialoge sprachen. Und es hat riesigen Spaß gemacht, die finessen des "Hungry Beast" (geschaffen und gespielt von John Buechlers Team) zu verfeinern. Und der schönste Moment des Tages war die Sonne über dem Strand der kleinen Stadt Torvaianica zu sehen, in der die Schauspieler und ich in einem kleinen Strandhotel übernachteten.

 

MMM: Mr. Nicolaou, welches Monster mögen Sie persönlich eigentlich am liebsten?

 

TN: Als ich ein Kind war, war mein Lieblingsmonster Frankensteins Kreatur - wahrscheinlich wegen des tollen Make-ups von Boris Karloff und des expressionistischen Settins, die meine Fantasie beflügelten. Dracula schien mir weniger interessant zu sein. Aber als ich die Möglichkeit hatte, die Subspecies-Filme in Rumänien zu drehen, wurde der Vampir zu meinem Lieblings-filmmonster. Die emotionale Komplexität der Unsterblichkeit, das über Jahrhunderte gewonnene Wissen, die Überlegenheit über den Menschen und das endlose Bedürfnis nach Blut gibt Filmemachern und Schauspielern einen wunderbaren kreativen Nährboden für Charaktere und Geschehnisse. Ich bin kein großer Fan von Vampirfilmen, in denen die Vampire fast menschlich wirken - ich mag definitiv mehr die von Nosferatu inspirierten Kreaturen.

 

 

MMM: Wir sind gespannt auf neue Projekte. Was können wir demnächst von Ihnen erwarten?

 

TN: Ich habe momentan drei Filme im Gepäck, bei denen ich versuche, Mittel für die Produktion zu finden. "The Cheeseburger Manifesto" ist eine Komödie, die auf meinen Erfahrungen in Rumänien kurz nach der Revolution von 1989 basiert. Es geht um einen skrupellosen amerikanischen Automobilexperten, der mit einer Million Dollar nach Rumänien kommt, um die dortige Regierung zu bestechen und der in den Traum seines rumänischen Chauffers involviert wird, die erste Burger-Kette im US-amerikanischen stil in dem Land zu eröffnen, was wiederum jedoch eine diplomatische Katastrophe auslöst.

 

Der zweite film ist ein übernatürlicher Schocker namens "Mädchen am See". da geht es um einen Detektiv mit Posttraumatischen Belastungsstörungen, der einen Mordfall an vier Kindern untersucht, der ihn fast um den Verstand bringt.

 

Das dritte Projekt ist eine dokumentarische Fernsehserie über den Glauben, die aus persönlicher, historischer, psychologischer und neurowissenschaftlicher Perspektive untersucht, warum wir glauben, was wir glauben - alles, von religiösen Überzeugungen, über den Glauben an UFOs, bis hin zum Glauben an verrückte Verschwörungstheorien.

 

MMM: Vielen lieben Dank für dieses tolle Interview und alles Gute für Sie und Ihre Ideen!