Die 5-Minuten-Terrine - Ein Kurzinterview mit Tom Holland

 

Der US-amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Tom Holland ist ein absolutes Multitalent und ein Freund des Kult-Autors Stephen King. Bereits Ende der 50-er Jahre war er vor der Kamera aktiv und spielte Seite an Seite mit so unverwechselbaren Filmgrößen wie Ingrid Bergman, Anthony Perkins oder David Morse.

 

Doch Holland haben wir natürlich in erster Linie echte Horror- und Monsterbretter zu verdanken. Nicht nur verfasste er so großartige Drehbücher wie die zu "Das Engelsgesicht", „Psycho 2“ und dem harten High-School-Rachethriller „Die Klasse von 1984“, er führte auch Regie bei Genreperlen wie „Fright Night“ oder „Chucky – die Mörderpuppe“. 

 

 

 MMM: Zunächst möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie sich die Zeit nehmen, dieses Interview zu führen. Sie haben viele Fans in Deutschland. Besonders auf grund ihrer Filme „Fright Night“ und „Chucky – die Mörderpuppe“.

 

TH: Ich liebe Deutschland und die Deutschen. Und es heißt nicht „Chucky“ (obwohl ich ihn kreiert habe), sondern „Child´s Play“. Ich hätte ihn damals so nennen können, aber dann wäre keiner drauf gekommen um was es geht.

 

MMM: Ja, aber in Deutschland heißt er so.

 

TH: LOL. Kein Problem.

 

MMM: Bevor Sie Regisseur wurden, waren Sie als Schauspieler aktiv. Warum wählten Sie später den Beruf des Regisseurs?

 

TH: Als ich im Business anfing, gab es für mich keinen direkten Zugang in die Regiebranche. Ich arbeitete zu der Zeit in einem Sommertheater und der einzige Weg zum Film führte über den langen Weg des Schauspielens. Ich ging zur "Northwestern Theater School", blieb dort ein Jahr, ging dann nach New York City und bekam einen 7-Jahres Vertrag mit Warner Brothers. Jack Warner höchstpersönlich holte mich dafür in sein Büro. Ich hatte eine erfolgreiche Karriere unter Tom Fielding hingelegt und drehte alles - von Seifenopern bis hin zu Filmen. Sieh dir „Die Frau des Anderen“ (1970) an - da bin ich der Jugendliche.

 

Als ich als Schauspieler arbeitete merkte ich, dass ich einige Szenen anders gedreht hätte als der eigentliche Regisseur. Also begann ich mit anderen Autoren und Regisseuren dieser Zeit, wie z.B. Jim Bridges („Das China-Syndrom“, 1979), im "Actor´s Studio" Theaterstücke zu realisieren. Ich wollte Regie führen und der Weg dahin war, als Autor anzufangen. So schrieb ich also erst Drehbücher und von da aus ging es auf den Regiestuhl. Tja, jeder hat seine Geschichte.

 

MMM: Ich liebe Monster-Filme. Zwei meiner ersten waren „Alien“ (1979) und „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982). Gab es besondere Filme, die Sie in der Art und Weise beeinflussten, wie Sie Regie führten?

 

TH: Der Einfluss kam aus dem Horrorgenre und es war der Film „Psycho“. Das erste Mal erfuhr ich hier, was es bedeutet den richtigen Schnitt zu finden. Das war eine unglaublich faszinierende Erfahrung.

 

 

MMM: In den 80-er Jahren gaben Sie dem Subgenre des Vampirfilms mit „Fright Night“ neue Impulse. Ein paar Jahre später drehten Sie „Chucky – die Mörderpuppe“ - beides großartige Werke und beide mit Sinn für schwarzen Humor. War das Ihre Intention?

 

TH: Ja, beide Filme haben Humor. Zusammen mit dem Visuellen, welches erschreckend und beängstigend sein soll, eine gute Kombi.

 

MMM: 1994 drehten sie den fantastischen “The Stand”, basierend auf einem Buch ihres Freundes Stephen King. doch Auch die von Ihnen gedrehten „Langoliers“ (ein meiner meinung nach völlig unterschätzter Film) und „The Thinner“ stammen aus der Feder von King. Wann haben sie ihn eigentlich das erste Mal getroffen und was machen ihrer Meinung nach seine Geschichten so faszinierend?

 

TH: Ich traf ihn beim Dreh zu “Langoliers”. „The Stand“ drehte ich zur damaligen Zeit für meinen Freund Mick Garris, ebenfalls ein Regisseur. „The Stand“ ist eine wirklich epische Geschichte meiner Generation, und „Langoliers“ ist tatsächlich ziemlich unterschätzt. Aber je häufiger er gezeigt wird, desto mehr lieben ihn die Leute. Ich weiß, dass er eine hohe Bewertung hier in den USA beim Sci-Fi Channel-Ranking genießt.

 

MMM: Sie arbeiteten mit Schauspielern wie Chris Sarandon, Whoopie Goldberg, Sam Shepard oder Brad Dourif zusammen. Haben Sie einen Liebling, oder gibt es jemanden mit dem Sie unbedingt mal gerne arbeiten würden?

 

TH: Ich liebe sie alle und würde jederzeit mit jedem einzelnen von ihnen wieder zusammenarbeiten. Letztens traf ich Amanda Plummer auf der Beerdigung von Tobe Hooper. Eine traurige Begebenheit, aber ich drehte mit ihr die dritte Episode der TV-Serie „Geschichten aus der Gruft“ und es war so schön sie wiederzutreffen. Ich bin einfach mit guten Schauspielern gesegnet worden, mit denen ich bisher zusammen arbeiten durfte.

 

MMM: Wie vergleichen sie die heutigen Filme mit einer Fülle von CGI-Effekten und den “Old School”- Filmen aus damaliger Zeit?

 

TH: Man sollte CGI mit praktischen Effekten koppeln. Eine Überdosis CGI bringt der Story gar nichts. Zudem macht es auch alles irgendwie zu einfach, und es ändert vieles in der Post Production: man löscht was weg, man nimmt einfach andere Farben usw. Es ist besser, man macht das alles vor der Kamera. Man muss versuchen mehr Kontrolle über seine Vision des Films zu bekommen.

 

MMM: Was haben Sie denn gerade in der Entwicklung? Was erwartet uns?

 

TH: Ich bereite gerade zwei Stephen King Geschichten vor: "Strawberry Spring" und "The Ten O´clock People".

 

MMM: Haben Sie eigentlich aus Ihren eigenen Werken einen Lieblingsfilm?

 

TH: Ich liebe Sie alle! Auch die, die nicht funktionieren und nach denen mich nie jemand fragt. Hast du z.b. jemals „Die Aushilfe“ (1993) gesehen?

 

MMM: Nein.

 

TH: Siehst du…LOL - sie sind alles meine Kinder.

 

MMM: Lieber Mr. Holland, Monströsen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft.

 

TH: Danke Dir für die guten Fragen und auch Dir alles Gute.

 

aus dem englischen übersetzt von: mumien-monster-mutationen.de, copyright 2018: mumien-monster-mutationen.de