WTF:

 

Joe Brody und seine Frau Sandra sind in einem japanischen Atomkraftwerk als Sicherheitsspezialisten und Ingenieure tätig. Aus unerklärlichen Gründen kommt es zu seismischen Aktivitäten und schlussendlich dadurch zu einer atomaren Katastrophe. Überzeugt davon, dass dies kein üblicher Unfall war, der durch die Naturgewalt ausgelöst wurde, versucht Brody jahrelang hinter das Geheimnis des schrecklichen Unfalls zu kommen. Als Brody mit seinem Sohn Ford in das Sperrgebiet der verseuchten Zone eindringt, offenbart sich des Rätsels Lösung.

 

Butter bei dem Fisch - Balthasars Meinung: 

 

Würdiger internationaler Neuanfang mit Schwächen.

Es kann eventuell zu Spoilern kommen - ich bitte dies zu entschuldigen. Ich versuche mich aber so auszudrücken, dass man ihn immer noch sehen kann, ohne zu viel zu verraten. 

 

Nun gut, da war er also: „Big G“, „Gojira“, der Vater aller Monster im gewaltigen Mantel eines internationalen Fantasyfilms der düsteren Art. Jeder hier kann es wissen, dass ich ein großer Liebhaber von Godzilla bin. Umso mehr habe ich mich drauf gefreut, mal einen Neuanfang zu sehen der ihm international würdig ist. Und das ist er. Durchaus. Nur hat er Schwächen und überzeugte mich nicht auf ganzer Linie. Doch zunächst sei zu erwähnen, dass ich nach wie vor diesen (wie auch den 98er-Godzilla) nicht mit den japanischen Filmen vergleichen kann. Das geht eben nicht. Die japanischen Filme stehen für sich und sind auf ihre Art einzigartig. Der Emmerich-Godzilla ist kein Godzilla, aber als Monsterfilm durchaus akzeptabel und gar nicht so schlecht, wie er hier manchmal scheint. Was aber ist anders an diesem Godzillafilm, dass er würdig ist das internationale Erbe anzutreten? 

 

Die frühen, alten Godzillafilme nehmen sich sehr ernst. Das trashige kam erst in den späteren Filmen (ab Mitte der 60er) hinzu. Der „Ur“-Godzilla und seine erste Fortsetzung sind ernstzunehmende nukleare Warnungen. Kein Spaß, kein buntes Bild. Düsternis umgab diese Filme. Und das tut dieser neue „Godzilla“-Film auch. Er ist düster, er nimmt die Geschichte ernst. Kein Hauch von Humor. Das ist ein ernster Versuch die Legende aufleben zu lassen. Die bildhaften Elemente bewirken ihr Übriges. Viel Schatten, wenig Licht. Godzilla im Halbdunkel. Schemenhaft, wirklich in seiner gesamten Statur. Es werden, wie bei „Der weißen Hai“ oder „Alien“, immer nur wenige Ausschnitte gezeigt. Godzilla ist nie ganz zu sehen (seine Action dafür umso mehr). Das wiederum tut den Film ziemlich gut. Dadurch wirkt Godzilla unheimlich und imposant. Halbwissen erzeugt hier Respekt und Angst. Auch die eigentliche Geschichte ist dem des Originals nicht unähnlich. Zumindestens was die Thematik der nuklearen Verwüstung und Bedrohung betrifft.

 

Regisseur Edwards und der Drehbuchautor kennen das Original und versetzen das Ganze in eine völlig andere Mythologie. Auch hier wird multinational gewarnt vor dem nuklearen Holocaust. Aber auf vollkommen andere Weise. Nicht Godzilla ist hier die Warnung. Es sind die Anderen. Ja, die Anderen. Zwei sind es. Zwei Monster, soviel sei verraten, die als Bedrohung der Welt gegenüber stehen. Ist Godzilla der Retter? Verzeiht man ihm die hunderttausende von Toten? Was ist er? Das erfahren wir hier (noch) nicht. Es bleibt abzuwarten (ich denke, wenn man den Worten von Edwards Glauben schenken darf was eine eventuelle Fortsetzung betrifft, geht das mehr in Richtung „Destroy all Monsters“).

 

Die Verneigung zum Original und zu der Originalmythologie geht weiter. Zarte Hinweise auf Mothra sind da (zumindest zählte ich Zwei). Aber kommt er auch? Die Attacke auf die Magnetbahn ist fast eine 1:1 Kopie des Originals. Nur unter umgekehrten Vorzeichen. Die Kamera leuchtet gerade mal alles so aus, wie es reicht. Der erste Auftritt von Godzi kommt erst nach einer Stunde! Dann aber imposant. Und hier haben wir eine der Schwachstellen des Drehbuchs: für einen Godzilla-Film ist zu wenig Godzilla da. Es wird hier das menschliche Drama zu sehr und zu plakativ in den Vordergrund gestellt. Klar könnte man sagen, man braucht solch ein Drama um sich zu identifizieren. Blödsinn. Wenn man in einen Godzilla-Film geht, will man Godzilla sehen. Und brauch kein menschliches Drama. Das wäre ja gar nicht mal so schlimm, wäre es nicht einfach zu langatmig und zu übertrieben. Taylor-Johnson guckt in jeder Szene gleich, man fühlt überhaupt nicht mit. Den sehr sehr kurzen Auftritt von Binoche hätte man nicht benötigt.

 

Einzig die ebenfalls recht kurze Leinwandpräsenz von Bryan Cranston und der großartige Ken Watanabe (der hier immer so guckt, als ob gleich alles in die Hose geht) heben den Cast hervor. Alle anderen, und sind sie auch noch so gut, sind auswechselbar. Und hier ist der Knackpunkt. Es ist zu viel des Ganzen: zu viel menschliches Drama, überflüssiger militärischer Pathos. Zu lange wird benötigt um die Story in Fahrt kommen zu lassen und leider Gottes letzten Endes zu wenig Godzilla. Und zu wenig Godzilla-Kämpfe. Sorry, das gehört dazu. Wenn es passiert, und es wird passieren, dann rummst es gewaltig und enorm. Die Tiefenwirkung des Films entpuppt sich in 3D, wenn es zur gewaltigen Zerstörung kommt, als enorm gut. Wenn auch manchmal überflüssig. Aber es sieht fantastisch aus. Auch Logiklöcher sind hier vorhanden. Und das nicht gerade wenige. Aber da kann ich drüber hinwegsehen. Wenn es denn zu mehr Godzilla gekommen wäre. 

 

Nun denn, auch wenn es sich vielleicht etwas zu negativ anhört: er macht dennoch enormen Spaß. Nur hätte er eben noch besser sein können.