WTF:

 

In der Halloweennacht 1963 wird die 17-jährige Judith Myers mit einem Fleischermesser in ihren eigenen vier Wänden blutig niedergemetzelt. Der Mörder wird dem geschockten Publikum im Verlaufe des Films nur wenige Sekunden nach der Tat präsentiert und dingfest gemacht. 14 Jahre später, am Vortag des Halloweenabends 1977, entkommt der besagte Täter aus der Obhut von Dr. Sam Loomis aus der geschlossenen Psychiatrie, um nach Haddonfield, dem Ort des Verbrechens, zurückzukehren und sein blutiges Treiben aus unerfindlichen Gründen fortzusetzen.

 

Butter bei dem Fisch - Igors Meinung:

 

Was soll man zu diesem Klassiker noch groß schreiben? Er wurde gehuldigt und abgefeiert, bis sich die Balken biegen. Dabei sah es anfangs gar nicht mal so super gut für den Independent-Streifen aus. Das Budget war mit knapp 325.000 USD eh schon ziemlich spärlich angesetzt und Produzent Moustapha Akkad wollte (oder konnte) auch nicht viel Kohle für Werbung raushauen. So übernahm dann die Mundpropaganda die "PR" für den unheimlichen Serienmörder-Streifen. Positive Kritiken, wie die von Roger Ebert von der "Chicago Sun-Times", verhalfen Carpenters Kunststück dann doch noch dazu, publikumstechnisch richtig groß abzuräumen und international in beeindruckender Weise durchzustarten.

 

Abgesehen davon, dass der gesamte Film von einer unvergleichlichen, unheimlichen und latenten Spannung durchzogen ist, ist er von Carpenter wirklich meisterlich inszeniert und mit dem wohl "schrecklichsten" Titelscore-Ohrwurm aller Zeiten versehen worden. Das Skript von Carpenter und seiner engen Freundin Debra Hill zielt auf die menschlichen Urängste der Paranoia ab. Eine hilflos ausgelieferte Babysitterin wird verfolgt, gestalkt, terrorisiert und schlussendlich von einer hünenhaften Gestalt mit aschfahler Schreckensmaske durch die nächtlichen Straßen gejagt. Ein echtes Albtraumszenario, welches auch Moustapha Akkad auf Anhieb gefiel.

 

So ganz nebenbei wurden von Carpenter zudem auch noch die Regeln und Konstrukte des modernen "Slasherfilms" manifestiert. Ohne viel Blut zu vergießen, dafür jedoch umso wirksamer in der Wirkung auf das Publikum. Das Drehbuch lässt viele Fragen unbeantwortet und macht dafür den Schrecken umso unbegreiflicher. 

 

"Halloween" ist ein Klassiker des Horrorfilms, der trotz seines geringen Budgets die Wirkung auch heutzutage nicht verfehlt. Ganz im Gegenteil: bei Carpenter hatte ich immer das Gefühl, je weniger Kohle er zur Verfügung hatte, umso kreativer war er, auch wenn er mit vielen anderen und höher budgetierten Produktionen natürlich eine vielzahl supergeiler Streifen abgeliefert hat.


Übrigens: wie sich die Zusammenarbeit mit Kult-Regisseur John Carpenter so anfühlt, könnt ihr auch bei unserem Interview mit dem "The Thing"-Darsteller Joel Polis hier auf unserer Homepage nachlesen.