WTF:

 

In Antonio Bay sitzt ein alter Seebär mit einer Gruppe Kindern um ein Lagerfeuer herum. Der graubärtige Mann erzählt in verheißungsvollen Worten von der Legende der "Elisabeth Dane", einem Clipper, der von einem vermeintlichen Leuchtturmsignal fehlgeleitet, mit Mann und Maus vor der Küste zerschellte. Die Mannschaft findet angeblich keine Grabesruhe, und schon bald sollen die modrigen Gesellen wiederkehren, um sich die Verantwortlichen für den tödlichen Unfall zur Brust zu nehmen.

 

 

Butter bei dem Fisch - Balthasars Meinung:

 

 

Carpenters Hommage und Kritik in Reinkultur.

 

Unglaublich! Mir fällt gerade auf, dass ich zu einen meiner Lieblingsfilme noch keine Review abgeliefert habe. Dann wird’s aber Zeit. Mit speziellen Filmen hat John Carpenter es geschafft nicht nur Genres zu bereichern, sondern sie auch zu revolutionieren. Carpenter ist ein Chronist der amerikanischen Kultur. In fast jeden seiner Filme finden sich gesellschaftliche Umstände wieder, die er in einem fantastisch-wirkenden Setting wirkungsvoll in Szene setzt und hinterfragt. 

Das ist das Schöne und wunderbare bei fantastischen Filmen (ganz gleich ob SF, Horror, Grusel oder Fantasie): man kann (wenn sie intelligent gemacht sind und nicht nur „des Zeigen Willens“ gedreht wurden) sehr viel in diese Filme reinpacken und sie so inszenieren, dass es dem Zuschauer nicht sofort auffällt. Ein Regisseur, des so inszenieren kann, nämlich mit den Mitteln des Films etwas auch unterschwellig zu transportieren, der hat Vieles erreicht. Und Carpenter konnte das. Sei es in ASSAULT ON PRENCINT 13 (1976),  DIE KLAPPERSCHLANGE (1981), HALLOWEEN (1978), DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT  (1982)  oder DARK STAR (1974): allesamt sind bestimmte chronische Reflektionen über die amerikanische Kultur. Und nicht nur die. 

 

Was genau ist denn nun das besondere an diesen Film? „THE FOG“ schafft es nicht nur eine perfekte Hommage an die Gruselfilme der 50-er & 60-er Jahre zu sein, er ist auch komplett eigenständig. Er versucht gar nicht zu kopieren. Carpenter schafft hier ein perfektes Labyrinth des Gothic-Grusels. Und hier kommen besonders drei Elemente des filmischen Handwerks zum Vorschein, die davor und danach kaum ein weiterer (selbstredend mit Ausnahmen) Film zur Perfektion gebracht hat: der Ton, die geniale Kamera von Dean Cundey und die Musik. Diese drei Elemente gehen eine perfekte Symbiose ein, um den Zuschauer zu fesseln, sie gebannt festzuschnallen und nur ab und an die Luft rauszulassen. 

 

Die monotone, angsteinflößende Musik wird mit gezielt eingesetzten Schocktönen untermauert. Es wird eine Suspense aufgebaut wie selten. Hervorzuheben ist hier eben die beunruhigende, in wabbeligen Nebelschwaden unheilvoll eintauchende Kamera von Cundey. Dean Cundey und Carpenter waren eine perfekte Mischung. Leider gehen sie heute getrennte Wege. Die beiden zusammen kreierten die „Welt des Carpenter“. Gerne würde ich nochmal einen Film von den beiden sehen - ich denke heutzutage wäre sie noch größer. Also diese drei Elemente sind das Rückgrat des Films, der noch heute zu fesseln weiß. Und hier kommt nun der unterschwellige Aspekt. 

 

Carpenter verpackt in seine Geschichte im Grunde eine Verarbeitung (als Form der Rache) des Umgangs der amerikanischen Einwanderer mit den Ureinwohnern Amerikas. Wie sie vertrieben wurden, wie sie getötet wurden und vor allem, welch Unrecht das war. Carpenter regt tatsächlich zum Denken an. Und das in einer nervenaufreibenden, gruseligen Mär, die bis ins kleinste Detail wohl durchdacht erscheint. Die Schauspieler sind allesamt gut, obwohl man hier bei solch einem Film keine schauspielerischen Meisterleistungen erwartet. Es geht hier ums Bild und Suspense, nicht um oscarreife Vorstellungen - und da war alles spitze! Hier passt alles auf den Punkt genau. Solche Filme sind wahre Klassiker, die die Jahre überdauern werden.

 

Zum Schluss noch die Rede von John Houseman am Anfang des Films im Original. Wer vielleicht den Expanded-Soundtrack besitzt, weiß wie er im Original klingt (ich hab‘ den…hust hust….) und diese Rede sagt im Grunde alles aus:

 

11:55, almost midnight. Enough time for one more Story. One more story before 12:00, just to keep us warm. In five minutes, it will be the 21st of April. One hundred years ago on the 21st of April, out in the waters around Spivey Point, a small clipper ship drew toward land. Suddenly, out of the night, the fog rolled in. For a moment, they could see nothing, not a foot in front of them. Then, they saw a light. By God, it was a fire burning on the shore, strong enough to penetrate the swirling mist. They steered a course toward the light. But it was a campfire, like this one. The ship crashed against the rocks, the hull sheared in two, mars snapped like a twig. The wreckage sank, with all the men aboard. At the bottom of the sea, lay the Elizabeth Dane, with her crew, their lungs filled with salt water, their eyes open, staring to the darkness. And above, as suddenly as it come, the fog lifted, receded back across the ocean and never came again. But it is told by the fishermen, and their fathers and grandfathers, that when the fog returns to Antonio Bay, the men at the bottom of the sea, out in the water by Spivey Point will rise up and search for the campfire that led them to their dark, icy death.” 

 

 

 


 

Butter bei dem Fisch - Igors Meinung:

 

  

Ein ganz großer Gruselwurf der klassischen Sorte gelang Kultregisseur John Carpenter Anfang der 80-er hier. Er war seiner Zeit der bekanntermaßen einzige Filmschaffende, der seinen eigenen Namen über die Titel auf den Werbeplakaten setzte. Dazu gehört eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Doch Carpenter griff nicht zu hoch. Er war zu der Zeit seine eigene Marke, mit einer eigenen CI. Er war und ist Kult.

 

 Eine Old-School-Geistergeschichte mit schaurigen Gestalten, die ein düsteres Geheimnis mit sich herumtragen, wird erzählt. Die wunderbar ruhige Kameraführung, der unheilvolle Synthie-Score und die gelungene und atmosphärische Bildkomposition machen "THE FOG" zu einem echten Evergreen, der auch in 100 Jahren noch für gepflegte Gänsehaut sorgen wird.

 

 Beim Testpublikum fiel der Film damals durch, weil er nicht gruselig genug war. Carpenter drehte einige Szenen nach und fügte das Ganze zu einem absolut stimmigen Schauermärchen zusammen. Kleines Budget - Großes Kino. Leider ist diese Kombination heutzutage viel zu selten.