WTF:

 

Der gruselige Graf Orlok möchte unbedingt in das beschauliche und pestverseuchte Hafenstädchen Wisborg ziehen. Und so eilt der junge Assistenzmakler Hutter zu Orlok in die Karpaten, um mit ihm die Details des Vorhabens zu besprechen. Aller unguten Vorahnungen und Warnungen zum trotz, erreicht er schließlich Orloks düsteres Schloss. Dort erwarten ihn albtraumhafte Begegnungen und unheimliche Vorkommnisse. Schon bald schwebt Hutter in Lebensgefahr.

 

Butter bei dem Fisch - Igors Meinung:

 

Tja, liebe Monstergemeinde. Wer hätte das gedacht, das unser schönes Deutschland einmal eine echte einflussreiche und weltweit anerkannte "Filmmacht" war und durch Werke wie beispielsweise Fritz Langs epochalem Fantasywerk "Metropolis" (1927) künstlerisch wegweisend, stilbildend und prägend für Generationen von Filmemachern.

 

Anders als bei den deutschen expressionistischen unheilvollen Werken zu dieser Zeit üblich ("Das Cabinet des Dr. Caligari" oder "Der Golem, wie er in die Welt kam"), setzte Friedrich Wilhelm Murnau bei seiner Regie auf eine große Anzahl an Außenaufnahmen und die intensive Nutzung real existierender Drehorte. Gerade diese künstlerische Verweigerung der seiner Zeit gängigen Sehgewohnheiten, machte "Nosferatu" zu einem neuartigen und auch ungewöhnlich-gespenstischen Filmerlebnis. 

 

Und so entspricht natürlich der Stummfilm-Klassiker auch nicht mehr heutigen Standards der meist effektebeladenen Gespenster- und Schauergeschichten auf der großen Leinwand. Doch genau hier muss man ansetzen. man muss sich dem Stil öffnen, sich der außergewöhnlichen Wirkungsweise bewusst sein, sich einfühlen, sich hineinziehen lassen in diese Epoche der genannten filmgeschichtlich relevanten Werke und sich dabei auch stets die historische, filmgeschichtliche, kulturelle und ästhetische Bedeutung von "Nosferatu" vor Augen halten. 

 

Im direkten Vergleich seiner Zeit bin ich sogar der Meinung, dass die nur 9 Jahre später entstandene erste offizielle Dracula-Verfilmung von Tod Browning in diesen genannten Punkten doch gewaltig abstinkt, obwohl auch sie stilistisch gekonnt mit Licht und Schatten spielt.

Erst die späteren Hammer-Produktionen mit Christopher Lee als Blutfürsten und auch Coppolas Werk von 1992 konnten (teilweise) wieder unter den ernsten Verfilmungen des Stoffes neue Akzente setzen.

 

Murnaus Bilder ziehen einen schnell in den Bann. Max Schreck alias Nosferatu fasziniert, eine unheimliche Aura umgibt diese Figur. Wenn man sich darauf einlässt, fühlt man die faszinierende Kinomagie, die von diesem Werk ausgeht. 

 

Um die Namensrechte für "Dracula" nicht zahlen zu müssen, änderte Nosferatu-Produzent Albin Grau übrigens den Namen der titelgebenden Hauptfigur im Drehbuch. Bram Stokers Witwe klagte dagegen und gewann. 1924 mussten alle Kopien in Deutschland vernichtet werden. Nur die schon ins Ausland verkauften Versionen haben "Nosferatu" das Überleben gesichert. Der Klassiker blieb der Nachwelt erhalten - Gott sei Dank!