WTF:

 

Familie Freeling, US-amerikanisch mustergültig ausgestattet mit Kindern, Hund, Kegel und hübschem Vorgarten, erlebt so einiges Seltsames in ihrer Hütte. Paranormales Stühlerücken, zerspringende Gläser, knarzende Türen und allerlei Merkwürdigkeiten setzen ihnen sukzessive merklich zu. Als die kleine Carol-Anne dann auch noch vermeintlich am Rad zu drehen beginnt, spitzen sich Vorfälle zu und eine beängstigende und emotionale Achterbahnfahrt beginnt.

 

Butter bei dem Fisch - Balthasars Meinung:

 

Auch heute noch beängstigend.

 

Tobe Hooper und Steven Spielberg - Was für eine interessante Mischung... Und was für ein Film! Hooper, der mit „Texas Chainsaw Massacre“ einen der Klassiker im neuzeitlichen Horrorfilmgenre schuf (der im Übrigen sehr viel weniger blutig ist wie vielerorts angenommen) und der Blockbusterkönig der 70-er und 80-er Jahre Spielberg. Eine Mischung, die zunächst ungewöhnlich wirkt, aber sich letzen Endes als sehr effektiv herausstellt. Die Frage, die jedoch seit Jahren besteht: Wer hat den größten Anteil an dem Film? Immer wieder wurde Spielberg als eigentlicher Regisseur genannt, obwohl Hooper feststand. Hatte sich Spielberg zu sehr eingemischt? Hat er tatsächlich einen Großteil der Szenen gedreht? Vieles deutet darauf hin. Der ganze Film wirkt tatsächlich eher wie Spielbergs Handschrift, als die von Hooper. Allein die eigentliche Personenkonstellation (eine Familie muss sich gegen das Unbekannte wehren) ist typisch Spielberg. Die Inszenierung spricht auch eher für Spielberg, als für Hooper.

 

 Während bei Hooper das dunkle, unterschwellig brutale (und auch sexuelle, was irgendwann explodiert) im Vordergrund steht (als Beispiel sei hier „Lifeforce“ oder eben „TCM“ erwähnt), so sind hier nur einige Szenen wirklich im Sinne Hoopers Inszeniert (hier z.B. die Szene, in der die Mutter bei Nacht und Regen in den ausgehobenen Swimming-Pool fällt). Auch die Anschuldigungen von Hooper, dass er übergangen wurde und eine einseitige Anzeige Spielbergs in der "Variety", als Dank an Hooper gedacht, dass er am „kreativen“ Prozess des Films teilnehmen durfte, lassen diese Vermutung zu. Spielberg drehte zur selben Zeit „E.T.“ und laut Gewerkschaftsregeln damals durfte man nicht zwei Filme gleichzeitig drehen. Hatte er es getan? War Hooper nur ein Alibi? Ein Werkzeug, um mit einem Namen Werbung zu machen? Wir können es nicht wissen. Wir können auch nicht wissen, wie das Endprodukt aussehen würde, hätte man Hooper mehr freie Hand gelassen (denn dass er eingeschränkt wurde, ist deutlich erkennbar). 

 

Aber im Grunde ist das auch fast egal, denn dieser Film schockt und beängstigt noch heute! 1982 gedreht ist er bis heute das Maß aller Dinge im Gruselgenre (dazu zählen noch einige weitere, aber der hier eben auch). Jeder heutige Film, sei es „Paranormal Activitiy“ oder „Insidious“, „Mama“ oder „Don´t be afraid of the Dark“, müssen sich mit diesem Film Vergleiche gefallen lassen. Dieser Film ebnete einem alten Genre neue Wege. Der Hausgeistfilm ist hier sowohl de facto am Beginn, als auch an seinem Höhepunkt angelangt. Eine unheimliche Atmosphäre, geschaffen durch den geschickten Einsatz von Licht, Kamera, gezielt eingesetzten Schockeffekten und einer dunklen Musik von Jerry Goldsmith (obwohl er hier auch viele heiter klingende Musikstücke bietet, da es ja im Grunde ein Familienfilm ist), aber auch die Darstellerriege lassen eine Stimmung aufkommen, die man durchaus als unheilvoll-düster bezeichnen kann.

 

Die Tricks sind sehr gut gelungen, auch wenn vieles heute etwas antiquiert erscheint. Aber sie sind treffsicher gesetzt und in puncto Kreativität über jeden Zweifel erhaben (wer immer mir den Trick erklären kann, wie die innerhalb von zwei Sekunden die Stühle auf dem Tisch in der Küche gestapelt haben - und das alles ohne erkennbaren Schnitt -  dem gebe ich einen aus). 

 

Ein perfekter Grusler, der trotz seiner 35 Jahre nach wie vor zu schocken weiß!