WTF:

 

Der Dorf-Mob macht sich auf, um mit Mistgabeln, Ketten (und anderen Werkzeugen der Grausamkeit) einen vermeintlichen Hexer zur Strecke zu bringen. Nachdem sie ihn brutalst dahingerafft haben, scheint erst einmal Ruhe im Karton zu sein - Bis ca. 50 Jahre später das Gebäude, in dem diese Missetat stattfand, als Hotel fungieren soll. Was dort passiert reicht von unheimlichen Merkwürdigkeiten, bis hin zu schrecklichen und todbringenden Vorkommnissen. Nicht unschuldig daran scheint ein geheimnisvolles Buch mit dem Namen "Eibon" zu sein.

 

 Butter bei dem Fisch - Balthasars meinung:

 

Entfaltet sich erst nach Jahren.

 

während George Romero seine Zombies als gesellschaftkritische Bedrohung von außen den Menschen zeigt - was sie zusammenhält oder zerfleischt, bringt Fulci es hier auf den Punkt. Seine Zombies sind zermürbende, faulende Abbilder einer vernichtenden Gesellschaft. Aber das wäre vielleicht zu hoch gegriffen.

 

Was Fulci hier präsentiert ist ein inszenierter Jahrmarkt der Skurrilität. Er spielt mit Geistergeschichten, Gothichorror und skurrilen, weil nicht ernstzunehmenden Figuren. Er lässt eine bildgewaltige Schlacht auf uns los, die man entweder hasst oder liebt. Da gibt es kein Grau. Fulci zeigt hier die dreckige, düstere Seite des Horrorfilms und lässt Gore-effekte auf uns los, die durchaus wohlgewählt sind in diesem ganz eigenen filmischen Kosmos - Nicht nur einfach zeigen. Auch wenn sie billig anmuten (nach heutigen Standards), verfehlen sie nicht ihre Wirkung: Schock.

 

Und Fulci, der ohne Frage hier weniger Inhaltsinterpretation zulässt, will uns nur zutiefst erschüttern und uns bis ins Mark treffen. Das tut er mit diesem Film durchaus. Er zeigt hier das düster-dreckige und hinterlässt eine Spur des kalten Schauerns. Ein durchaus pessimistischer Streifen, der zwar auf der Billigwelle von damaligen Italokopien mitschwamm, aber seine Eigenständigkeit bewahrte. Ein zündendes Werk, eines manchmal verkannten Regisseurs. 

 


Butter bei dem Fisch - Igors Meinung:

 

 Hier haben wir mal wieder einen der verbotenen Matschfilme, an denen sich die Geister scheiden und die Jugendschützer reiben. Auf dem Höhepunkt der sogenannten Zombiewelle (Ende der 70-er/Anfang der 80-er) haute unser Italo-Gore-Hero Lucio Fulci sich noch ein echtes Schmankerl raus. Hopplahopp wurde das blutige Treiben noch schnell von "Über dem Jenseits" zu "Geisterstadt der Zombies" umbetitelt und ab ging die Post.

 

 Wieder einmal provozierte und polarisierte Fulci mit brutalen Bildern, die in eine Alibi-Rahmenhandlung gezwängt wurden - so zumindest das Urteil der abgeneigten Kinofraktion. Sicherlich sind Fulcis Beiträge nicht für den "KIKA" gedreht worden, doch welcher bundesdeutsche Richter hat das Recht über Kunst oder deren vermeintliche Verrohung zu entscheiden?

 

Ich schweife ab - egal! Ich persönlich sehe sicherlich einen gewissen Selbstzweck in der Darstellung der zum Teil ausschweifend-blutigen Bilder, dies kann man nicht leugnen. Doch hat Fulci auch ein Gespür von Ästhetik und verpackt seine bizarren Traumwelten gekonnt in stimmungsvolle und surreale Bilder.

 

 Ein Alptraum, auf den man sich einlassen muss. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber mit Sicherheit ein ungewöhnliches Filmerlebnis - somit kein Einheitsbrei und das muss man Fulci schon mal hoch anrechnen.  Fabio Frizzis epischer Score und die (bis auf die berühmt/berüchtigte Spinnenszene) wirklich exquisiten SFX und Masken runden das Gruselkabinett zu einem stimmigen Horrorfilm ab.

 

Wer mehr erfahren möchte, dem sei an dieser Stelle auch unser schönes  Interview mit Lucio Fulcis "Hauskomponist" Fabio Frizzi ans Herz gelegt.